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Letzte Aktualisierung
am 11. 05. 2019

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Chronik der Berufsfeuerwehr Bremen
Teil I
 von

1656 bis 1871

Die Organisation des Feuerlöschwesens war in alter Zeit in allen größeren Städten gleich. Die alten Brandordnungen bestimmten, daß jeder Bürger verpflichtet war, mit seinen Knechten und den starken „Megede" (Magde) auf der Brandstelle Hilfe zu leisten, die Gespannhalter ihre Gespanne und die Handwerker auch Werkzeuge mitzubringen hatten. Eine Wasserspritze wird erstmals bei einem Dombrand im Jahre 1656 erwähnt. In der Brandordnung 1716 kommt erstmalig eine kleine Schlangen-Spritze vor. Am 28. Juli 1751 wurde die Feuer- und Brandordnung erneuert und verbessert. Gleichzeitig wurden Listen erstellt, aus denen die Standorte der Schlangen-Spritze und der Feuerlöscheimer hervorgingen. Die Leitung der Löschmaßnahmen hatten damals noch die Stadtväter.

Erst die "Brandordnung von 1818" brachte eine Neuordnung des Feuerlöschwesens. Am 17. September 1818 erließ der Hohe Senat der Freien Hansestadt Bremen die durch Rats- und Bürgerbeschluß am 26. August 1818 beschlossene "Brandordnung". Man kann diese "Brandordnung" als den Vorläufer des heutigen "Gesetzes über den Feuerschutz im Lande Bremen vom 18. Juli 1950 ansehen.

Als mehrere Großbrände in den Jahren 1860 bis 1868 erheblichen Schaden verursachten, wurde auf Empfehlung der "Deputation für die städtischen Löschanstalten" im Mai 1869 die Errichtung einer Berufsfeuerwehr, die über eine ständig besetzte Wache verfügen sollte, vorgeschlagen. Gleichzeitig sprach die Deputation sich für die Errichtung eines elektrischen Feuermeldesystems (Telegraphie) und den Bau einer Wasserleitung aus. Der Senat der Freien Hansestadt Bremen erklärte sich mit diesen Vorschlägen einverstanden und brachte sie am 25. Juli 1869 der Bürgerschaftversammlung zur Kenntnis, die dem Vorhaben ihre Zustimmung gab.

Der 11. Mai 1870 gilt als Gründungstag der Bremer Berufsfeuerwehr. An diesem Tage wurde die von der alten Löschmannschaft besetzte Feuerwache in der Königstraße 2, gegenüber dem Landherrnamt, von der Berufsfeuerwehr verstärkt. Es wurde fleißig exerziert, die Ausbildung der neuen Mannschaften eifrig betrieben und der Feuerlöschdienst von der Berufsfeuerwehr übernommen.                                                        

Vorher konnte, nach eingehenden Verhandlungen, für den Aufbau und der spätere Leitung der Berufsfeuerwehr der Branddirektor Hugo Richard Schumann, als anerkannte Fachkraft aus Danzig, gewonnen werden.               
Branddirektor Schumann traf am 2. Februar 1870 in Bremen ein und brachte einen ausgebildeten Stamm von drei Oberfeuerleuten und zwölf Feuerleuten aus Danzig mit. Zur Unterstützung des Branddirektors stellte man den Brandmeister Brüllow an, der, um möglichst viele Erfahrungen zu sammeln, für drei Monate nach Berlin geschickt wurde, wo auch Schumann eine Zeitlang gewirkt hatte. Anschließend hatte Schumann die Danziger Feuerwehr aufgebaut und sieben Jahre geleitet. Bremen holte sich also für die Einrichtung seiner Berufsfeuerwehr einen erfahrenen Mann.                                                                                                                                  
Es fehlte allerdings ein brauchbares Wachgebäude. Das mußte erst gebaut werden. Auch neue Fahrzeuge und Geräte waren notwendig. Die aus Danzig kommenden Feuerleute wurden daher beim Bau einer neuen Feuerwache eingesetzt (der heutigen Feuerwache 1  Hauptfeuerwache Am Wandrahm 24). Als der Bau der Feuerwache so weit fortgeschritten war, daß er zum Teil benutzt werden konnte, wurden am 1. Mai 1870 weitere Mannschaften von insgesamt 70 Mann eingestellt.

Während die Berufsfeuerwehr im Aufbau begriffen war, traf Bremen nach dreieinhalb Wfeuerwehrgespann0ochen, am zweiten Pfingsttage, am 6. Juni 1870, ein schweres Brandunglück, das der Feuersbrunst 1868 an Verheerung nicht nachstand. In unglaublich kurzer Zeit wurden zwölf Packhäuser und über zwanzig Wohnhäuser an der Häschenstraße, Grünenstraße und am Deich durch Flammen zerstört. Löschmannschaften aus der Umgegend, vom Buntentorsteinweg, von Woltmershausen, Hastedt und Vegesack, leisteten bei der Brandbekämpfung wertvolle Hilfe. Von Bremerhaven traf ein Löschcorps mit 150 Mann und einer Spritze ein, auch sie trat mit großer Energie in Funktion. Die im Aufbau begriffene Berufsfeuerwehr konnte noch nicht tätig eingreifen.

In einer Proklamation vom 11. Juni 1870 sprach der Senat allen an der Brandbekämpfung Beteiligten seine dankbare Anerkennung öffentlich aus. Das Brandunglück vom 6. Juni 1870 war dennoch Gegenstand langer Diskussionen in den Sitzungen der Bremischen Bürgerschaft ab dem 15. Juni 1870. Es wurden insbesondere die unzureichende Wasserversorgung, die Or-                          Frühzeitliche Pumpenspritze der Feuerwehr                  ganisation und das Meldesystem von den Abgeordneten kritisiert.
Der Abgeordnete H. M. Hauschild übte Kritik an der persönlichen Ausrüstung der Feuerleute: "Man gibt den Leuten Helme und rüstet sie mit Beilen aus, gleich Tomahawks der Indianer. Das mag in monarchischen Staaten für die Disziplin notwendig sein, in unserem republikanischen Gemeinwesen paßt es nicht, Leute in dieser Weise vor anderen Bürgern kenntlich zu machen (Unruhe). Man hat bei einem Eingreifen der neuen Feuerwehr bei dem letzten Brande die Gelegenheiten von Konflikten mit der jetzigen Löschmannschaft befürchtet und richte ich die Frage an die Deputation, ob wirklich die neue Feuerwehr müssiger Zuschauer bei dem Brande war, während doch schon jeder Bürger, so viel er kann, die Pflicht fühlen muß, zu helfen und zu retten, wenn sein Nachbar in Not ist. Wenn etwa die Abneigung gegen Fremde als Grund angenommen wird, so müßte doch die Deputation den Einfluß haben, diesen Ehrgeiz bei den Leuten zu unterdrücken."

In einer Bekanntmachung Nr. 56 der Löschdeputation über die Verlegung der provisorischen Feuerwache vom 15. August 1870 heißt es unter anderem: Von Dienstag, den 16. d. Monats, Nachmittags 6 Uhr an, wird die provisorische Feuerwache von der Königstraße nach der Zentralwache der Feuerwehr, an der kleinen Helle, verlegt werden und daselbst ununterbrochen bei Tag und Nacht Mannschaften mit Löschgeräten in Dienstbereitschaft sein.

Der Ausbruch eines Feuers ist daselbst mit tunlicher Beschleunigung anzumelden. Die Meldung kann auch in folgenden Polizeibureaus und Nachtwachlokalen geschehen

  1. am Steintor (Ostertorsteinweg 1)
11. an der Schleifmühle (im früher Einnehmerhaus).

Für die erste Anzeige von einem ausgebrochenen Feuer wird eine Belohnung von einem Thaler bezahlt.

Bis auf weiteres bleibt neben der provisorisch aufgestellten Feuerwache das Löschcorps in seiner bisherigen Einrichtung bestehen.

Der gesamte Feuerlöschdienst wurde von der Berufsfeuerwehr übernommen, die ständige Feuerwache in der Königstraße aufgelöst, das bestehende BrandLöschCorps am 15, Oktober aufgehoben und dafür ein ReserveLöschCorps aufgestellt, welches dem Dienstreglement der Berufsfeuerwehr unterstellt wurde. Die Feuerwehrmänner wurden fortan für ihre Tätigkeit besoldet.

In der folgenden Zeit erließ der Senat eine Reihe von Verordnungen, die Brandlöschanstalten betreffend, sowie zur Ausführung der Brandlöschordnung für die Stadt Bremen. Auch die Löschdeputation gab einige Bekanntmachungen heraus, die sich unter anderem mit der Bezahlung von zusätzlichen Arbeitskräften befaßten. In einer Bekanntmachung heißt es zum Beispiel:. . . "Das die Branddirektion, wenn die Mannschaft in Brandfällen nicht ausreicht, ermächtigt ist, geeignete Personen provisorisch als Arbeiter anzunehmen. Die 10 zuerst bei einem Brande angenommenen Arbeiter erhalten 18 Thaler, die später angenommenen Arbeiter 12 Thaler für einstündige Arbeit. Entsprechende Anweisungen sind während des Löschdienstes offen an der Kopfbedeckung zu tragen.

Weitere Bekanntmachungen befaßten sich mit dem Eintritt in das ReserveLöschcorps sowie mit der Auflösung des BrandLöschCorps.

Die alte Feuerwehr, das BrandLösch-Corps, hatte zum Schluß bestanden aus 6 Offizieren, 45 Oberbrandmänner, 592 Brandmänner und 3 Aufseher, zusammen also 646 Mann. Das neue ReserveLöschcorps bestand aus 1 Spritzenmeister, 11 Oberbrandmänner, 189 Brandmänner und 1 Boten, zusammen 202 Mann.

Die Personalstärke der Berufsfeuerwehr betrug zu diesem Zeitpunkt (Oktober 1870): 2 Offiziere, 7 Oberfeuerleute. 87 Feuerleute und 1 Schreiber, zusammen 97 Personen.

An Feuerwehrfahrzeugen waren vorhanden: 3 große Handspritzen. 5 Wasserwagen und 1 Mannschaftswagen. Dazu kam als erste Reserve (ausgerüstet. aber nicht bespannt) 1 Mannschaftswagen und 1 Gerätewagen, als zweite Reserve ausgerüstet 42 Handspritzen und Anhänger, 1 Prahmspritze, 8 Schlauchwagen und 2 Exercierspritzen.

Die junge Berufsfeuerwehr kam im Gründungsjahr bei 139 Bränden in der Stadt zum Einsatz. Bremen hatte damals 80779 Einwohner. Die erforderliche Personalstärke von 100 Mann konnte erst im Jahre 1871 erreicht werden.

Im April dieses Jahres erließ der Senat im Einvernehmen mit der Bremischen Bürgerschaft die Verordnung für die Lagerung und Aufbewahrung explosiver, feuergefährlicher oder leicht entzündlicher Stoffe und Produkte.

Die großen Entfernungen von der Hauptfeuerwache in die Neustadt mit ihren vielen Packhäusern und Fabriken sowie die Erkenntnisse aus dem letzten großen Brandunglück machten den Neubau einer weiteren Feuerwache dringend erforderlich.

Doch bevor noch der Neubau der Feuerwache 2 bezogen werden konnte, wurde die Neustadt fast genau 1 Jahr nach der Gründung der Berufsfeuerwehr am 13./14. Mai 1871 wieder von einem Großbrand an der Grünenstraße, Häschenstraße und Am Deich betroffen. Es brannten die fünf Konitzkyschen Packhäuser ab.

Dieses Brandunglück hatte allen Sachverständigen einschließlich der Bremischen Bürgerschaft vor Augen geführt, wie notwendig der weitere Ausbau der Berufsfeuerwehr, sowie der im Vorjahr geforderten Löschwasserversorgung war. Auch wurden Vorschriften für die `Verhütung von Feuersgefahr in Packhäusern ' gefordert. Diese Vorschriften wurden im Jahre 1872 am 3. Mai vom Senat erlassen.

Heinr. Specht schrieb in der Bremer Nachrichten vom 1. November 1914 in dem Aufsatz "Wenn es vor 100 Jahren brannte" unter anderem:

"Selbst unter Branddirektor Schumanns Wirksamkeit schien das Volk mit dessen Einrichtung noch nicht ganz zufrieden zu sein, was am deutlichsten in dem vom Volksmunde gesungenen "Spottliede" zum Ausdruck kommt! “Schumann, Schumann! datt Füer fangt wedder an. Lett de Peere rennen, und datt Füer brennen. Schumann, Schumann! datt Füer fangt wedder an."

 

 

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