dieterrel

Internetstart am:
05. 05. 2005
Letzte Aktualisierung
am 11. 05. 2019

rauchmelder133

Chronik der Berufsfeuerwehr Bremen
Teil II
 von

1871 bis 1895

 

Als die Feuerwache 2 an der Westerstraße 99 am 1. Juli 1871 bezogen wurde, besetzte man sie mit 2 großen Handspritzen, 1 Wasserwagen, 1 Brandmeister (Wachvorsteher) 3 Oberfeuerleuten, 11 Feuerleuten, 1 Telegraphist, 3 Fahrern und 6 Pferden. Die Feuerwehr wurde jedoch personalmäßig zunächst nicht vFeuerwehr_-_Bremen_-_1880erstärkt. Erst am 16. Juni 1874 wurde Brandmeister Stude eingestellt und mit der Führung dieser Feuerwache beauftragt.

Die Feuerwehr hatte die Stärke von 101 Mann erreicht. Das Personal setzte sich wie folgt zusammen: 3 Offiziere, 1 Feldwebel, 9 Oberfeuerleute, 87 Feuerleute, Fahrer und 1 Schreiber. Das ReserveLöschcorps verminderte sich auf 112 und im Jahre 1880 auf 102 Mann.

Der Bau der ganzen Wasserleitung, der nach den Entwürfen und unter der Leitung des Oberbaurates Berg in den Jahren 1870-1873 erfolgte, kostete etwa 3.045.000 Mark. Das Rohrnetz war teils als Rundlaufsystem, teils als Verästungssystem angelegt. Der damalige Branddirektor hatte Gelegenheit, bei der Konstruktion und Anlage der Hydranten einen für die Feuerwehr vorteilhaften Einfluß auszuüben. Als die Wasserleitung im Jahre 1873 schließlich fertig war, waren 577 Hydranten vorhanden.
                                                                                                       Hauptwache - Am Wandrahm - im Jahre 1880          
Brandmeister Brüllow verließ am 30. September 1875 die Bremer Feuerwehr und übernahm die Kölner Feuerwehr als Branddirektor. Branddirektor Schumann wurde am 31.März 1879 in den Ruhestand versetzt. Sein Nachfolger als Branddirektor wurde am 1. April 1879 Brandmeister Stude. Durch die Ausweitung der östlichen Vorstadt wurde der Bau einer dritten Feuerwache erforderlich. Sie konnte am 1. Oktober 1882 in der Bernhardstraße 12 bezogen werden. Die Besetzung dieser Feuerwache 3 erfolgte durch dienstfreies Personal von anderen Feuerwachen. Das Personal wurde für diesen zusätzlichen Dienst besonders entlohnt.

Am 1. Oktober 1882 wurde auch das bis dahin bestehende ReserveLöschcorps aufgelöst. Sämtliche Geräte übernahm die Berufsfeuerwehr.

Als besonderes Ereignis muß noch die große Wassernot am 28. Dezember 1880 angeführt werden, die mit dem Brechen der Wümmedeiche begann und mit kurzen Unterbrechungen bis Ende März 1881 dauerte. Hier bei wurden auf Befehl der Polizeidirektion 25 Mann der freien Wache alarmiert, mit Kreuzhacken und Schaufeln ausgerüstet und zum Einsatz gebracht. Im Verlaufe der weiteren Einsätze wurden auch Dampfspritzen und Wasserstrahlelevatoren (Ejectoren) mit Erfolg eingesetzt.

Während des 48stündigen Wachdienstes wurden die Mannschaften ausgebildet und die Geräte instand gehalten. Zur Ausbildung der Mannschaften gehörten Exerzieren, Manövrieren, Instruktion, Freiübungen, Turnen. Dieser Dienst fand stets unter der Leitung eines Offiziers statt.

Der Gesamttagesdienst wurde am Vortage vom Branddirektor festgesetzt und bei der um 8 Uhr morgens, unter Aufsicht eines Offiziers, stattfindenden Ablösung der Wachen vom Feldwebel bekannt gemacht.

Neben dem Dienst auf der Wache wurde seit 1871 auch der Sicherheitsdienst im Stadttheater von einem Oberfeuermann und vier Mann durchgeführt. Auf Grund der Erfahrungen beim Brand im Wiener Ringtheater wurde dieser Sicherheitsdienst im Jahre 1881 noch um zwei Mann verstärkt.

Die, bei Gründung der Feuerwehr, von Branddirektor Schumann eingeführte eigenartige Uniform  bestehend aus einem roten Tuch, als Bluse zu tragendem Rock mit schwarzem Klappkragen und Besatz, ferner einer roten Tuchmütze und dunkelgrauer Tuchhose  wurde abgeschafft, da sie von den Uniformen der anderen Berufsfeuerwehren erheblich abwich. Die bei den deutschen Berufsfeuerwehren bewährte dunkelblaue Uniform wurde übernommen. Auch die anfangs üblichen Lederhelme mit Kamm wurden durch Lederhelme mit gepolstertem Kopf ohne Kamm mit Deckelschraube und abnehmbarem Nackenleder ersetzt.

Das Feuermeldesystem, bestehend aus Magnetinduktionsapparaten reichte für die Sicherheit der zuverlässigen Alarmierung bald nicht mehr aus. So wurde im Jahre 1881 der Übergang zum Betrieb mit Morseapparaten vom Senat genehmigt.

Branddirektor Stude trat am 9. August 1887, einer Berufung als Branddirektor in Berlin, aus dem Dienst der Feuerwehr Bremen aus. Mit der Leitung der Bremer Feuerwehr wurde vorübergehend Brandmeister Marx, der am 5. Februar 1879 bei der Feuerwehr eingetreten war und am 1. Januar 1888 zum Brandinspektor befördert wurde, beauftragt.
Am 14. Februar 1888 wurde Branddirektor Adolf Dittmann nach Bremen berufen und mit der Leitung der Berufsfeuerwehr beauftragt. Dittmann war schon vom 1. Dezember 1875 bis zum 5. Februar 1879 in Bremen als Brandmeister tätig gewesen. Von Bremen hatte ihn sein Weg über Köln nach Breslau geführt, wo er zuletzt als Brandinspektor seinen Dienst versah.

Mit der Eröffnung des Freihafens am 15. Oktober 1888 wurde die Feuerwache 4 errichtet. Da aber ein geeignetes Wachgebäude noch nicht vorhanden war und die Schuppen und Speicher mit Waren belegt waren. wurden aushilfsweise ein Oberfeuermann und vier Mann für den Freibezirk als Kontrollposten in einem Zimmer des Verwaltungsgebäudes untergebracht. Die Wache selbst konnte erst am 1. September 1890 mit einem Hydrantenwagen nebst Schlauchwagen und Pferd, Telegraphist und Fahrer besetzt werden.

Da die Bremer Wohnhäuser jetzt höher und mit entsprechender Ausladung gebaut wurden, war es der Feuerwehr nicht mehr möglich, mit den bisher üblichen Hakenleitern im Notfalle von außen die obersten Geschosse zu erreichen. Bei diesem Problem konnte nur eine mechanische Leiter beim Einsatz wirkungsvolle Dienste leisten.
Die Anschaffung einer solchen Leiter war dringend notwendig geworden.

Bei der Finanzierung der Leiter sollte es damals vermieden werden, die Mittel von Staate zu erbitten. Der Branddirektor wandte sich an die 44 in Bremen ansässigen größeren Feuerversicherungs-Gesellschaften mit der Bitte um einen Beitrag für eine solche Leiter. Aber, nur 1.600 Mark wurden von sieben Gesellschaften gezeichnet. 22 Gesellschaften lehnten ab. 15 hielten es nicht einmal der Mühe wert, zu antworten. Weil eine geeignete Leiter nicht unter 3.500 Mark zu haben war, wurden in Anerkennung der Notwendigkeit der Beschaffung vom Staate 2.000 Mark bewilligt. Eine 23 Meter lange Leiter konnte bei Aug. Hönig in Köln bestellt werden und wurde in wenigen Wochen geliefert.

Als wichtigste Neuerung des Jahres 1889 muß die von Branddirektor Dittmann konstruierte Kohlensäure-Druckspritze erwähnt werden.

Die Feuerwehr wurde wieder einmal um drei Oberfeuerleute und sechs Feuerleute verstärkt. Die Gesamtstärke betrug von 1890 an 109 Mann. Am 1. Oktober 1894 wurde die Feuerwehr noch um zwei weitere Feuerleute ergänzt, so daß die Gesamtstärke 111 Mann einschließlich der Offiziere betrug.
Zu einem Feuer rückte die Feuerwehr am 24. September 1894 nach dem Neuenlande aus. Dort brannten sieben kleine Wohnhäuser. Es wurde neben der Spritze der Gemeinde mit vier Strahlrohren Wasser gegeben und erfolgreich Hilfe geleistet.

Die Stadt Bremen hatte Ende des Jahres 1.894 etwa 138.000 Einwohner. Die Grundfläche betrug zu dieser Zeit 2.567 Hektar. Darauf standen 19.453 Gebäude, 16.268 Häuser waren bewohnt, 3.185 unbewohnt.

Auf Grund von Vorbedingungen, die Branddirektor Dittmann im Jahre1889 gestellt hatte, waren bereits ab 1. September 1890 die gut verteilt liegenden Feuerwachen zusätzlich als Sanitätswachen eingerichtet worden. Das Personal war fünf Monate lang von Dr. med. Huck ausgebildet worden. Ein Krankentransportdienst wurde eingerichtet. Als oberster Grundsatz wurde die Regel aufgestellt, daß die Hilfe jederzeit und unentgeltlich zu leisten sei und niemals Leichen oder Personen mit ansteckenden Krankheiten befördert werden dürften. Zur Ersteinrichtung der vier Sanitätswachen waren 2.698,71 Mark erforderlich.
 

Zurück zum Teil I: 1656-1871

 

Zurück zur Chronik

 Weiter zu Teil III: 1895-1919
 

 

 Ich danke allen Besuchern für das Interesse an meiner Webseite.