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Letzte Aktualisierung
am 11. 05. 2019

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Chronik der Berufsfeuerwehr Bremen
Teil III
von

1895 bis 1906

Das Jahr 1895 für die Bremer Berufsfeuerwehr ein Jahr von besonderer Bedeutung. Das Jubiläum ihres 25jährigen Bestehens wurde festlich begangen. Man konnte auf eine für die Stadt lebenswichtige Tätigkeit zurückblicken. Dem Jubiläum wurde ein festlicher Anstrich dadurch verliehen, daß an der offiziellen Feier nicht nur Mitglieder des Senats, der Bürgerschaft und Vertreter fast aller Behörden teilnahmen, sondern auch frühere Offiziere und Mannschaften, die zum Teil von weit her kamen. Senator Schultz hielt die Festansprache.

Branddirektor Dittmann nahm das 25jährige Bestehen der Feuerwehr zum Anlaß, eine Anzahl Bremer Bürger anzusprechen und sie für die Gründung einer Kasse zu interessieren. die dem Feuerwehrmann im Notfall eine Unterstützung gewähren sollte. Am Ende des Jahres waren die Sammlungen so weit abgeschlossen, daß der Grundstock dieser Unterstützungskasse etwa 26000 Mark betrug. im Anschluß an die Jubiläumsfeier fand am 13., 14. und 15. Mai 1895 das erste Zusammentreffen aller Deutschen Berufs-Branddirektoren statt. Der 13. Mai dürfte somit nach den vorhandenen Unterlagen der Tag der Gründung der heutigen Arbeitsgemeinschaft der Leiter der Berufsfeuerwehren (AGBF) sein.

Damit die Feuerwehr auch den ständig steigenden Anforderungen im Freihafen gerecht werden konnte, wurde am 25. März 1895 ein Dampfspritzenschiff, das mit einer großen Dampfspritze ausgerüstet war, in den Dienst gestellt. Es hatte seinen Liegeplatz im Freihafen und war mit allen vier Feuerwachen telegraphisch verbunden.

Einige Feuerwehrmänner begingen im Laufe des Jahres ihr 25jähriges Dienstjubiläum. An solchen Tagen wurde zu einem Generalappell angetreten, bei dem der Branddirektor dem Betreffenden einige anerkennende Worte aussprach. Die Mannschaft ließ es sich ebenfalls nicht nehmen, einem alten Kameraden ein kleines Geschenk als Erinnerung an seinen Ehrentag zu überreichen.

In Verbindung mit den 25jährigen Dienstjubiläen ist folgende Feststellung der damaligen Branddirektoren von besonderem Interesse.

. . . "Es gibt kein Beruf, der den Körper in so schonungsloser Weise zu Grunde richtet, wie es der des Feuermanns ist. Trotzdem die Leute meistens bald nach ihrer Militärzeit, also etwa 24 Jahre alt eingestellt und kräftig sind, ergibt die Erfahrung, daß nur wenige 25 Jahre Dienstzeit aushalten, und wenn das der Fall ist, daß sie dann allen an einen tüchtigen Feuermann zu stellenden Anforderungen nicht mehr voll genügen können. Eine 25jährige Dienstzeit ist selten, eine noch längere schon außergewöhnlich, wie die bei allen deutschen Berufsfeuerwehren seit 45 Jahren am Offizierskorps und bei der Mannschaft gemachten Erfahrungen bestätigen.

Die Feuerwache 3 an der Bernhardstraße wurde am 28. Januar 1896 aufgegeben. Die neuerbaute und nach amerikanischem Vorbild eingerichtete neue Feuerwache wurde Auf der Kuhlen 1 bezogen und mit einer Kohlensäure Druckspritze sowie dem nötigen Zubehör ausgerüstet.

Für die Erhöhung der Sicherheit in den Häfen wurde im gleichen Jahre ein zweiter Spritzendampfer in Dienst gestellt. Dampfer 1 wurde in den Holz- und Fabrikenhafen verholt, Dampfer 2 erhielt seinen Liegeplatz im Freihafen beim Schwimmkran.

Das Jahr 1896/97 war ein Jahr der Großfeuer: Brand einer Kistenfabrik, eines Weinspeichers, einer Schokoladenfabrik und einer Reihe von Packhäusern in der Hohetorstraße la bis le.
Seit Bestehen der Berufsfeuerwehr gehörte daher dieses Jahr zu den arbeitsreichsten Jahren,

Aus den gewonnenen Erfahrungen war die Feuerwehr bestrebt, mehr Gewicht auf Vorbeugungsmaßnahmen zu legen. Sie widmete diesem wichtigen Abschnitt ihrer Tätigkeit immer mehr Aufmerksamkeit. Die Feuerwehr war bemüht, die Ausbreitung eines Feuers zu verhindern oder zumindest zu erschweren, indem sie bauliche Konstruktionen und Materialien erprobte, die als feuersicher zu bezeichnen waren. Es gelang, dafür zu sorgen, daß in Fabriken und Lagerhäusern nur Eisenkonstruktionen zugelassen wurden, die mit feuersicherem Material ummantelt waren.

Im Jahre 1898 konnte ein kleines Wachgebäude im Holz- und Fabrikenhafen als Dienstraum bezogen werden. Dieses Wachgebäude wurde zur Feuerwache 5. Sie war mit einem Oberfeuermann und drei Feuerleuten besetzt, von denen immer einer, in der Zeit von abends 7 Uhr bis morgens 7 Uhr, einen festgelegten Kontrollgang machen mußte. Bei Alarm fuhr die Besatzung der Wache mit einem zweirädrigen Schlauchwagen zur Brandstelle und gab aus einem in der Nähe befindlichen Oberflurhydranten Wasser. Der dicht bei der Wache 5 liegende Spritzendampfer, der mit vier Mann besetzt war, wurde zur Unterstützung -bis zum Eintreffen des Zuges der Hauptfeuerwache- eingesetzt. Die Fahrzeit von der Hauptfeuerwache bis zu diesem Hafen betrug damals zwölf Minuten.

In der Organisation der Feuerwehr ist die Vergrößerung und Verstärkung der Feuerwache 3 im Jahre 1899 besonders herauszustellen. Die Wache rückte von nun ab mit dem normalen "Bremer Löschzug" (Gasspritze, Dampfspritze und Leiter) aus. In der Wache selbst wurden die ersten Gleitstangen vom 1. Obergeschoß in die Wagenhalle eingebaut. Die Alarmzeit verkürzte sich am Tage auf 15 bis 20 Sekunden und bei Nacht auf 30 bis 35 Sekunden.

Am 21. März 1899 wurden in der Versammlung des Senats die ersten AnstellungsBedingungen für die Feuermänner und Oberfeuermänner der Bremer Feuerwehr erlassen:

 . "Jeder Eintretende hatte ein Haftgeld von 30 Mark zu zahlen, das in 10 Teilen zu 3 Mark von dem Gehalt der ersten 10 Monate einbehalten werden kann und bei der Sparkasse belegt wird. Verläßt der Angestellte den Dienst ordnungsmäßig, so wird ihm, bzw. im Falle seines Todes den Hinterbliebenen, das Geld nebst aufgelaufenen Zinsen ausgezahlt. Verläßt er den Dienst rechtswidrig, oder wird er auf Grund der Dienst-Strafordnung mit Kündigung oder sofort entlassen, so verfällt das Geld nebst Zinsen zu Gunsten der Unterstützungskasse der Feuerwehr . . ."

Das bis dahin bestehende Offizierskorps wurde um einen Brandmeister erweitert: Am 1. Oktober 1899 wurde der Ingenieur Max Baur eingestellt. Die Sollstärke der Feuerwehr Bremen betrug am 31. März 1900: 4 Offiziere, 1 Feldwebel, 1 Zahlmeister, 1 Obermaschinist, 1 Telegraphen Mechaniker, 1 Telegraphenaufseher, 19 Oberfeuerleute, 8 Gefreite, 1 Oberfahrer und 116 Feuerleute, Fahrer, Telegraphisten und Boten, insgesamt 153 Mann. Die Stadt hatte 1900 bereits 163.418 Einwohner. Die Grundfläche betrug jetzt 2.567 Hektar. Ende 1900 kamen auf 16.8 ha und 1068 Einwohner 1 Mann der Feuerwehr.

Die Wasserversorgung der Stadt wurde weiter ausgebaut, so daß sich 1900 in der Stadt 187 Überflurhydranten und 1441 Unterflurhydranten befanden.

Die Einrichtung der 1890 eingeführten Sanitätswachen und des Krankentransportdienstes hatte sich in zehnjähriger Tätigkeit gut bewährt. Dabei wurden die Sanitätswachen insgesamt 12.180 Mal in Anspruch genommen. Die drei im Dienst befindlichen Krankentransportwagen rückten 9.750 mal aus und legten hierbei 62.251,9 Kilometer zurück. In Anbetracht dessen, daß die Krankentransportwagen mit einem Pferd bespannt waren, darf man wohl mit Recht behaupten, daß die damaligen Krankentransporteure enorme Leistungen vollbracht haben. Auch die soziale Versorgung der Feuerwehrmänner machte weitere Fortschritte. So erhielt jeder Feuerwehrmann sein eigenes Bettzeug und auf den neuen Feuerwachen sein eigenes Bett. Er brauchte nun nicht mehr die Bettstelle und die Matratzen mit einem anderen Feuerwehrmann bei Wachablösung zu wechseln. Leider konnte diese Regelung wegen Raummangels nicht auf allen Feuerwachen eingeführt werden: Erst mußte eine Vergrößerung der alten Wachen erfolgen. Übrigens hieß es schon damals: Ein Feuerwehrmann schläft trotz der Betten auf Wache nicht,  er ruht nur.

Das Schlauchmaterial der Feuerwehr Bremen hatte am 1. April 1900 schon eine Länge von 13.385 Metern. Die bereits 1890 eingeführten Storzschen Schlauchkupplungen haben sich so gut bewährt, daß sie noch in der heutigen Zeit verwendet werden.

Die Verlegung der Feuerwache 2 von der Westerstraße in den Neubau am Hohentor war so weit fortgeschritten, daß die Wache dort am 1. Oktober 1902 in Dienst genommen werden konnte.

Die von Branddirektor Dittmann immer wieder ausgesprochene Warnung, daß keine Verbindungstüren zwischen den Packhäusern geduldet werden dürften, selbst wenn sie feuersicher konstruiert seien, fand ihre Bestätigung bei dem Brand am 29. Juli 1901 der zwei Packhäuser Am Deich 43/44. Der hier entstandene Schaden belief sich auf die stattliche Summe von 2.2823.00 Mark. Die Entstehungsursache des Brandes wurde nie ermittelt. Da aber, wie in dem Bericht ausgeführt wurde,  bis 1 Uhr mittags in beiden Packhäusern gearbeitet worden war, konnte nur vorsätzliche Brandstiftung oder grobe Fahrlässigkeit das Feuer ausgelöst haben.

Auf der Internationalen Ausstellung für Feuerschutz und Feuerrettungswesen in Berlin wurde der Bremer Berufsfeuerwehr für hervorragende Verdienste auf diesem Gebiete die Silberne Portrait-Medaille Ihrer Majestät der Kaiserin zugesprochen. Der Fernmeldedienst war nunmehr soweit ausgebaut und verbessert worden, daß jetzt sämtliche Feuermeldelinien auf der Hauptfeuerwache einliefen. Er war so eingerichtet, daß die Feuerzeichen des betreffenden Ausrückebezirkes der einzelnen Wachen gleichzeitig auf dieser und der Hauptfeuerwache erschienen. So konnten auch die Nebenwachen schneller alarmiert werden.

1903 wurde in Hastedt an der Fahrstraße die Feuerwache 6 in Betrieb genommen. Die Wache wurde besetzt mit einem Oberfeuermann, vier Feuerleuten, einem Telegraphisten und einem Fahrer. Bremens Berufsfeuerwehr hatte nun eine Stärke von 173 Mann erreicht. Außerdem konnte sie jetzt auf vier Hilfsfeuerwehren der Außenbezirke Gröpelingen, Walle, Woltmershausen und Hastedt mit einer Gesamtstärke von sieben Oberbrandmänner, 65 Brandmänner und zwei Gerätewarten zurückgreifen. Im September und Oktober 1904 machte der Branddirektor Dittmann eine Reise in die USA, wo er die Feuerwehren mehrerer großer Städte besuchte und die technischen Einrichtungen zum Löschen und den Feuerschutz sowie die Feuermelde- und Polizeitelegraphie eingehend studieren konnte. Mit der Erweiterung, der inzwischen unzureichenden, Hauptfeuerwache war 1905 begonnen  worden. Der notwendig gewordene Neubau der Feuerwache 5 war im Juli 1906 fertig geworden. Das bisher, als Provisorium eingerichtete, kleine Wachgebäude im Holz- und Fabrikenhafen wurde abgebrochen. Die großen Feuerwachen,  die so genannten Offizierswachen 1, 2, 3 und 5, waren alle mit Steigehäusern oder Gerüsten versehen. Es wurden dort regelmäßige Übungen durchgeführt. Damit die öffentlichen Feuermelder besser aufzufallen, wurden alle mit "roten Laternen" versehen. Um der Alarmierung der Feuerwehr durch Unfug Einhalt zu gebieten, stattete man die Melder zusätzlich mit laut tönenden "Rasselglocken" aus.

 

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