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Letzte Aktualisierung
am 11. 05. 2019

rauchmelder133

Chronik der Berufsfeuerwehr Bremen
Teil IV
 von

1907 bis 1920

Brandinspektor Marx, der 1887 und 1888 vier Monate lang vertretungsweise die Feuerwehr geleitet hatte, trat am 1. August 1907 in den Ruhestand. Als Nachfolger wurde Brandmeister Baur zum Brandinspektor befördert und als dessen Ersatz Brandmeister von Müller von der Braunschweiger Feuerwehr eingestellt.
Im gleichen Jahr wurden das erste mit Dampf betriebene Automobil und der erste automobile Krankenwagen in Dienst gestellt.

Branddirektor Dittmann, der die Bremer Berufsfeuerwehr zwei Jahrzehnte leitete, starb in der Nacht vom 8. zum 9. Februar 1908.

Aus einem Nachruf entnehmen wir:. .Nicht nur um die Entwicklung der Bremer Feuerwehr, an deren Spitze der Entschlafene nahezu 20 Jahre gestanden hat, hat sich Branddirektor Dittmann bleibende Verdienste erworben. sondern auch, um die Entwicklung des gesamten deutschen Feuerlöschwesens. Die Bremer Feuerwehr stand unter ihm stets auf der höchsten Stufe ihrer Schlagfertigkeit. Durch den Bau einer Wache nach amerikanischem System, 1894 als erste Deutschlands ~ Bremen in Dienst gestellt, gelang es ihm, die Alarmzeit bedeutend zu verkürzen und hierdurch die Feuerbereitschaft wesentlich zu verbessern. Er war es, der unter vielen anderen von ihm angeregten Fortschritten der Feuerwehren durch die Ausbildung der Gasspritze ein wertvolles Angriffsgerät bot. Die Einführung der Spritzendampfer in Bremen, die Einrichtung des sehr ausgedehnten Sanitätsdienstes und die Reorganisation der hiesigen Straßenreinigung waren sein Verdienst, Viele seiner Schöpfungen im Feuerlöschwesen wirkten bahnbrechend und fanden in Deutschland und im Ausland gerechte Würdigung." . . .

Die Nachfolge von Branddirektor Dittmann trat Brandinspektor Baur, der am 1. März 1908 zum Branddirektor befördert wurde, an. Branddirektor Baur vollendete im Laufe der nächsten Jahre die weitere Motorisierung der Feuerwehr.

Die erste elektroautomobile Magirus Drehleiter wurde im August in Dienst gestellt. Das Chassis wurde von der Norddeutschen Automobil und Motoren-AG in Bremen geliefert. Dazu ist der folgende Bericht überliefert:
  . "Bei der Abnahmeprobefahrt ins Grüne, in Richtung Lilienthal, Wörpedorf ohne Benzin mit vielen Tankpausen und keine große Eile, mit Vater Fluß als Werkmeister am Steuer und ein halbes Dutzend Feuerwehrleuten hinten aufgesessen passierte es, daß die Heimfahrt in der Dunkelheit, mit einer munter geschwenkten Fahrradlaterne angetreten werden mußte, weil der Feuerwehrwagen noch keine Lampen hatte. Da; auf dem .,Langen Jammer" bumste es. Der Feuerwehrwagen hatte sich in einen Bauernwagen verkeilt. Doch ein Unglück kommt selten allein. Es kam der Ortsvorsteher von Schorf mit Pferd und Wagen angetrabt. Scheinbar hatte das Pferd sich so furchtbar erschrocken oder schon bessere Tage als Springpferd erlebt. Es machte einen kühnen Sprung und schon lag es quer auf dem Kühler des Feuerwehrwagens. Die Feuerwehrleute konnten zwar mit hitzigen Pferdegemütern fertig werden, doch die Gerichtsverhandlung blieb nicht aus. Auch die Tankpausen kamen zur Sprache. Der Richter fragte Meister Fluß, wieviel er denn so getrunken habe. "Och, so zehn bis fünfzehn halbe Liter und zehn bis zwölf Schnäpse." Da meinte der Rechtsanwalt der Gegenpartei: "Da kann er doch nicht mehr nüchtern gewesen sein." Doch der Richter war anderer Ansicht: "Wissen Sie", sagte er, "ich habe in Tübingen studiert, da in der Gegend werden die Kinder mit der Bierflasche großgezogen. Das muß er vertragen können!" Meister Fluß, in der Tübinger Gegend geboren, bekräftigte: "Das kann ich auch!" Und wurde freigesprochen. Nur den Schaden, das pausierende Pferd und den angeknackten Wagen hatte er zu ersetzen. Tja, und das bezahlte schon damals die Versicherung" . . .

In den nachfolgenden Jahren wurden Ausrüstung und Ausbildung der Feuerwehr vervollständigt und verbessert. 1911, nach Fertigstellung des letzten Bauabschnittes der Hauptfeuerwache, wurden weitere vier elektromobile Feuerwehrfahrzeuge in Dienst gestellt. 1913 nahm die mit benzinbetriebenen Fahrzeugen ausgerüstete Feuerwache 7 (Gröpelingen) ihren Dienst auf.

Durch den Ausbruch des ersten Weltkrieges wurde die Feuerwehr sehr stark geschwächt, da viele Feuerleute mit dem Tage der Mobilmachung eingezogen wurden. Als Ersatz wurden Vierzehn bis Sechzehnjährige als Hilfsfeuerwehrmänner eingestellt.

Ende 1918 wurde eine seit langem gestellte Forderung des 1908 gegründeten Verbandes Deutscher Berufsfeuerwehrmänner erfüllt: Der 24stündige Dienst mit abwechselnder 24stündiger Freizeit konnte eingeführt werden.

Die Feuerwehr Bremen hatte inzwischen eine Stärke (einschließlich der Oberbeamten) von 292 Mann erreicht. Seit Bestehen der Berufsfeuerwehr Bremen waren bis dahin sieben Beamte in Ausübung des Dienstes zu Tode gekommen.

Am Tage des 50jährigen Bestehens der Berufsfeuerwehr Bremen, am 11. Mai 1920, waren die Feuerwehrleute wieder zu einem Generalappell auf dem Hofe der Feuerwache 1 angetreten. Vom Senat der Freien Hansestadt Bremen waren die Senatoren Bömers und Winkelmann erschienen. Die Festansprache hielt Senator Bömers als Vorsitzender der Löschdeputation.

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