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Letzte Aktualisierung
am 11. 05. 2019

rauchmelder133

Chronik der Berufsfeuerwehr Bremen
Teil V
von

1920 bis 1933

Die Revolution von 1918 hat auch für die Feuerwehr viele Änderungen gebracht und manche alte Doktrin über den Haufen geworfen. Einen breiten Raum in der Diskussion nahm in den Jahren 1919/1920 das Problem des Aufrückens der unteren Feuerwehrbeamten in die höheren, verantwortungsvollen Stellen ein. Auch die Umwandlung der Amtsbezeichnungen Brandmeister und Brandinspektor in Brandingenieur und Oberbrandingenieur, sowie die Abschaffung des Offiziersstatus bei den Feuerwehren ließen die Wellen der Erregung höher schlagen, insbesondere bei den Berufsfeuerwehroffizieren.

Mit der Neufassung des Bremischen Besoldungsgesetzes vom 10. Juni 1920 erfolgte eine wesentlich bessere Einstufung der Feuerwehrbeamten. Je nach Dienstzeit erhielt der Feuerwehrmann 4.600 bis 6.900 Mark, der Oberfeuerwehrmann 5.000 bis 7.500 Mark, der Brandmeister 6.200 bis 9.300 Mark, der Brandingenieur 7.600 bis 11.400 Mark, der Oberbrandingenieur 8.400 bis 12.600 Mark, der Branddirektor 9.700 bis 14.500 Mark jährlich.

Mit Änderung des Besoldungsgesetzes vom 8. Dezember 1921 wurden die Amtsbezeichnungen Brandingenieur und Oberbrandingenieur in Baurat und Oberbaurat umgewandelt.

Ein großes Lagerhaus am Haferkamp brannte, am 10. Februar 1922, durch ein Großfeuer völlig aus. Die Kraftfahrzeuge der Feuerwehr erhielten am 8. Juli des gleichen Jahres ein neues Warnsignal (zweitönige Hupe). Das bekannte Tatütatü der Feuerwehr war damit geboren.

Die Bürgerschaft bewilligte auf Vorschlag des Senats die Mittel für die Anschaffung von zwei weiteren Motorspritzen, einem Rüstwagen, einem Personenwagen und zwei Lastkraftwagen. Der Kraftfahrzeugpark der Bremer Feuerwehr bestand im Jahre 1923 aus 29 Fahrzeugen.

Bei der Aufrechnung der höheren Anschaffungskosten für Feuerwehrkraftfahrzeuge, ihrer Betriebskosten und der anfallenden Reparaturen gegenüber den Kosten für die pferdebespannten Wagen ergaben sich durch eingesparte Gehälter und Fortfall der Unterhaltung der Pferde dennoch finanzielle Vorteile der Motorisierung. Durch besonders starken Schneefall am 10. April 1924 wurden die Fernsprech- und Feuermeldeleitungen (die als Freileitungen verlegt waren) erheblich beschädigt. Erst als die Bremische Bürgerschaft im September endlich den Betrag von 155.000 Mark bewilligte, konnten die umfangreichen Reparaturarbeiten am beschädigten Feuermeldenetz beginnen.

In der Nacht vom 11. zum 12. Juni 1924 wurde die Schiffswerft der A.G. Weser von einem Großfeuer betroffen. Bei Eintreffen des Zuges der Feuerwache 7 (Gröpelingen), der eine Fahrzeit von nur drei Minuten benötigte, fand die Feuerwehr einen weit ausgedehnten Brand vor. Es brannte ein freistehendes zweigeschossiges, mit Dachpappe gedecktes Werkstattgebäude. Die Brandfläche betrug etwa 30 mal 100 Metern. Der entstandene Gebäudeschaden einschließlich der zerstörten Maschinen belief sich auf etwa 500.000 Goldmark. Weiter wurde Holzinventar für drei Dampfer vernichtet. Dieser Schaden wurde auf etwa 1 000.000 Goldmark geschätzt.

Zu einem Großfeuer in Oldenburg, am Schloßplatz, schickte die Bremer Berufsfeuerwehr am 29. September 1924 vier Kraftfahrzeuge mit zwei Motorspritzen zur Unterstützung. Die ehemalige Reitbahn mit dem Marstall stand in Flammen. Für die 45 Kilometer lange Fahrstrecke nach Oldenburg benötigten die Feuerwehrfahrzeuge damals noch eine Stunde und 20 Minuten. Heute wäre es rund eine Stunde weniger.

Am 1. Oktober 1924 war Branddirektor Max Baur 25 Jahre als Beamter im Dienste der Feuerwehr Bremen.

Durch den Reichsverein Deutscher Feuerwehringenieure waren in den Jahren 1925 bis 1928 Bestrebungen angelaufen, den seit 1918 eingeführten 24stündigen Dienst mit abwechselnder 24stündiger Freizeit wieder abzuschaffen und dafür den 36stündigen Dienst für die Feuerwehren einzuführen. Mit Erfolg hat sich der Verband Deutscher Berufsfeuerwehrmänner für die Beibehaltung des 24stündigen Dienstes, wie ihn Bremen auch heute noch kennt, eingesetzt.

Die, in der Stadt Bremen, verteilten Feuermelder erhielten am 25. September 1928 über der vorhandenen roten Lampe (heute blaue Lampe) zur besseren Erkennung am Tage einen „Roten Hahn".

Eine schwere Ponton Explosion bei der früheren Kaiserbrücke erschütterte am 8. Oktober 1929 die Stadt Bremen. Drei Tote und acht Verletzte forderte das Unglück. Außerdem wurde der Dampfer "Stadt Bremen", der am Ponton festgemacht hatte, erheblich beschädigt. Nur einen Monat später brannte das Packhaus der Firma Th. Poser & Co. am Teerhof bei einem Großfeuer bis auf die Grundmauern nieder.

Der Senat der Freien Hansestadt Bremen genehmigte am 7. August 1931, die, in der Versammlung des Senats, neu beschlossene Bestimmungen über Einstellung, Ausbildung und Beförderung bei der Feuerwehr Bremen. Sie löste die seit langem überholungsbedürftigen AnstellungsBedingungen vom 21. März 1899 ab

Ein schwerer Schicksalsschlag traf die Bremer Berufsfeuerwehr im Jahre 1932 durch den Tod ihrer Leiter Branddirektor Baur und Oberbaurat Mellmann. Branddirektor Baur war am 26. Mai nach 24jähriger Amtszeit als Branddirektor im 60. Lebensjahr in der Nähe seines Heimatortes in Meersburg, in dem er Erholung von einer vorangegangenen Krankheit suchte, verstorben. Beide Herren haben sich, wie es aus einem Nachruf in der damaligen Zeitschrift des "Reichsvereins Deutscher Feuerwehringenieure" nachzulesen ist, nicht nur in Bremen, sondern in ganz Deutschland um das Feuerlöschwesen verdient gemacht.

Nachfolger Baurs wurde Branddirektor Friedrich Wilhelm von Müller.

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