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05. 05. 2005
Letzte Aktualisierung
am 11. 05. 2019

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Chronik der Berufsfeuerwehr Bremen
Teil VII
von

1946 - 1970

Der Wiederaufbau

Der Krieg hinterließ ein Trümmerfeld; auch die Feuerwehr mußte neu beginnen Die Wache am Wandrahm war durch Bomben stark in Mitleidenschaft gezogen worden, die Wachen am Hohentorsplatz und in der Fährstraße nur noch Trümmerhaufen. Die Wache Schmidtstraße übernahm den Feuerschutz im Osten. Von den beiden Hafenwachen war schon vor dem Krieg eine aufgelöst worden, die andere durch Bomben beschädigt. Behelfsmäßig eingerichtet wurde eine Wache in der Orleansstraße, außerdem eine weitere an der Grenzpappel  beide jedoch nur mit je einem Fahrzeug besetzt. In Bremen Nord bestanden Feuerwachen bei der Tauwerk in Grohn sowie am Blumenthaler Wasserturm,
Alle Feuerwachen im Bremer Raum, einschließlich der Gerätehäuser der freiwilligen Feuerwehren, waren mehr oder weniger stark beschädigt oder teilweise zerstört worden. Unter Aufbietung aller Kräfte, und trotz der immer wiederkehrenden Schwierigkeiten mit der Materialbeschaffung, wurden die Wiederaufbauarbeiten begonnen. Der Wiederaufbau der Feuerwachen wurde zusätzlich dadurch erschwert, daß außergewöhnlich viele Feueralarme und Hilfeersuchen jeglicher Art zu bewältigen waren.

Wenn die Berufsfeuerwehr Bremen trotz der materiellen, personellen und der Ernährungsschwierigkeiten alle Aufgaben dieser Zeit reibungslos bewältigen konnte, so war das ein Zeichen für die Einsatzfreudigkeit und den Wiederaufbauwillen aller im Dienst verbliebenen Feuerwehrbeamten und den, in der Ausbildung befindlichen Feuerwehrmannanwärter. Manche Tage und viele Stunden wurden beim Steine putzen verbracht. Trotz der starken Zerstörung des gesamten Feuermeldesystems konnte man die Nachrichtenverbindungen mit allen Feuerwachen und der freiwilligen Feuerwehren schnell wieder herstellen und 90 öffentliche Feuermelder in kürzester Zeit wieder in Betrieb genommen werden.

Bremen wurde überall neu aufgebaut, ehemalige preußische Gemeinden waren in das Stadtgebiet neu eingegliedert worden. Es entstand eine neue Raumstruktur, und es wurden viele neue Straßen gebaut. Die Feuerwehr mußte sich dieser Entwicklung anpassen. Die Wache 1, Am Wandrahm,  wurde wieder als Hauptnachrichtenzentrale und "Gehirn" der Bremer Feuerwehr   hergerichtet. Für einen Neubau war kein Geld vorhanden, denn zuerst mußten anderswo vollkommen neue Wachen geschaffen werden, um die Feuergefahren der gesamten Stadt optimal bekämpfen zu können. Allerdings war in der City von Bremen kein Neubau einer Feuerwehrwache geplant.

Die Feuerwache 4 in Blumenthal wurde nach kurzer Planung in den Dienst gestellt, dabei übernahm die Berufsfeuerwehr das vorhandene Gebäude von der dortigen freiwilligen Feuerwehr.

Auf Grund einer Senatsverfügung vom 18. Dezember 1945 über die Wiedergutmachung von Beamtenentlassungen, im Jahre 1933, wurden, ohne Ableistung einer Prüfung, vier Beamte zu Oberbrandmeistern und 13 Beamte zu Brandmeistern befördert.

Als Nachfolger für den im Jahre 1948 entlassenen Branddirektor Anders übernahm auf Anordnung des Senats der Oberbrandmeister Hermann Kurlenski die Leitung der Berufsfeuerwehr Bremen. So wurde er 1949 als Leiter der Feuerwehr zum Brandrat und 1950 zum Branddirektor befördert.

Er leitete noch ein Jahr über die übliche Altersgrenze hinaus, bis zum 28. September 1962, die Feuerwehr. Unter seiner Leitung erreichte sie wieder die Leistungsstärke, die für eine Berufsfeuerwehr einer Hafenstadt wie Bremen erforderlich war.

In den Jahren 1948/1949 wurden, um eine Abkürzung der langen Anfahrtswege im Stadtgebiet zu erreichen, die Feuerwachen 8 in Schwachhausen (Orleansstraße), 9 in Hemelingen (An der Grenzpappel), und die Feuerwache 10 in Grohn neu eingerichtet.

Das im Feuerlöschdienst stehende Personal der Berufsfeuerwehr bezifferte sich am 31. März 1950 auf 327 Beamte bei 439.296 Einwohnern und einer Flächengröße der Stadt Bremen von 317,16 qkm. Es kamen auf einen Feuerwehrmann 1.349 Einwohner. Die Löschwasserversorgung wurde sichergestellt durch 4.434 Unterflur und 835 Überflurhydranten. Dazu kam im Hafengebiet die Hochdruckleitung mit 152 Oberflurhydranten.

Mit der Verabschiedung des neuen Gesetzes über den Feuerschutz im Lande Bremen vom 18. Juli 1950 wurde das Gesetz über das Feuerlöschwesen vom 23. November 1938 außer Kraft gesetzt. Damit wurde in Bremen endgültig ein Strich unter die Vergangenheit gezogen.

Die Ausrüstung der Feuerwehrfahrzeuge wurde weiter ergänzt. Neue Fahrzeuge wurden angeschafft, unter anderem ein Kranwagen, der unter Verwendung einer alten Drehleiterfahrgestells, von der Firma "Giese, Bremen" gebaut wurde. Obwohl der Kran nur im Handbetrieb bedient werden konnte, hat der Wagen sich viele Jahre bei Hilfeleistungen und Beseitigungen von Verkehrshindernissen im Straßenverkehr bewährt.

Außer Sonnabends übte das Personal der Berufsfeuerwehr täglich eine Stunde an Fahrzeugen und Geräten. Freitags wurde auf dem Hof der Feuerwache 1 (Am Wandrahm) eine größere Löschübung durchgeführt, zu der in regelmäßigem Wechsel die Besatzungen aller Feuerwachen herangezogen wurden. Weiter wurde das theoretische Wissen der Beamten laufend durch Unterricht auf der Wache, in allen Gebieten des Feuerlösch- und Sanitätsdienstes, vertieft.

Im Osten entstand 1957 die Wache 2 in der Bennigsenstraße, die insgesamt drei spärlich besetzte Wachen ablöste und das Personal zu einer Wachmannschaft zusammengeaßt. Neu aufgebaut wurde 1958 die Wache 4 am Hohentor, die Wache 5 im Holzhafen wurde repariert. Für den Bremer Westen war die Wache 6 in der Gröpelinger Heerstraße zuständig. 1962 schließlich wurde auch die Wache 7, als zentrale Wache für Bremen Nord, in der Aumunder Feldstraße in Dienst gestellt. Somit hatte jeder Abschnitt seine Wache, der Abschnitt Stadtmitte  / Häfen sogar drei.
Bei der Brandbekämpfung des, im Bremer Europahafen liegenden Motorschiffes Wihinapa am 26. Oktober 1959, verunglückten Brandrat Kurt Lentz, im 49. Lebensjahr, und Feuerwehrmann Hermann Rauch, im 30. Lebensjahr, tödlich. Weiter erlitt ein Feuerwehrmann schwere Brandverletzungen.
Die Beamten der Feuerwehr Bremen übernahmen für die am 1. Mai 1960 geborene Cornelia Rauch, Tochter ihres tödlich verunglückten Kollegen, die Patenschaft.

Die Stadtbezirke Ost, Süd und Nord verfügen auf ihren Wachen über eine Mindeststarke von etwa 30 Mann, zwei Löschfahrzeuge, eine Drehleiter, zwei Gerätewagen und einen Schlauchwagen. Stärker besetzt ist der Abschnitt Mitte, mit Häfen und dem Westen Bremens, zu dem die Wachen 1, 5 und 6 gehören. Die Besetzung und Geräteausstattung betrug folgende Stärke: 60 Mann "Ausrückestärke", sechs Löschfahrzeuge, drei Drehleitern, drei Gerätewagen, ein 15 Tonnen Kran, sowie mehrere Sonderfahrzeuge.

Einen weiteren Kranwagen soll noch in diesem Jahr der Abschnitt Nord erhalten.

Aus den Großeinsätzen des letzten Jahrzehnts ragt vor allem die Flutkatastrophe am 13./14. und 16./17. Februar 1962 heraus. Die Berufsfeuerwehr und die 18 Freiwilligen Feuerwehren standen mit insgesamt 750 Männern pausenlos im Einsatz. Neben den 1110 Einsätzen wurden noch 135 Unfall und 173 Krankentransporte während der Sturmflutkatastrophe durchgeführt. Es wurden 136 Menschen lebend und 5 Menschen tot geborgen, 154 Bäume mußten gefällt werden und ungezählte Straßen von Hindernissen befreit werden. Außerdem mußte sehr viel Klein- und Großvieh aus dem Wassermassen evakuiert werden.

Im Jahre 1963 hatte die Feuerwehr zwanzig Großfeuer zu bekämpfen. Dabei kamen mehr als zwanzig Rohre zum Einsatz: am 31. Januar beim Frachtschiff MS „Alcoa Planter", am 31. Januar in einem Holzlager am Waller Ring, am Die neuen Feuerwachen 2, 4 und 7                                                                                                12. Oktober bei einer Bootswerft in Lesumbrok
                                                                                                                      und am 14. November bei einer Ziegelei in
                                                                                                                      Vegesack.

Als besonderer Einsatz muß auch das Zugunglück in Hastedt bei der Eisenbahnüberführung Föhrenstraße erwähnt werden. Hier konnte die Feuerwehr nach stundenlangen Bemühungen sechs bei dem Unglück ums Leben gekommene Personen bergen. Unter ihnen waren der Bürgerschaftsabgeordnete Georg Ficke und der Schulleiter der Schule Vegesacker Straße, Willy Hildebrand.

Unvergessen bleiben die Großeinsätze der Feuerwehr bei der Flugzeugkatastrophe am 28. Januar 1966 in Kladding, in der Nähe des Bremer Flughafens. Bei dieser Katastrophe ließen 46 Menschen ihr Leben. Darunter fast die komplette Schwimmnationalmanschaft von Italien.

Zu weiteren Großeinsätzen kam es bei Holzla- gerbränden in dicht besiedelten Wohngebieten am 20. August 1967 am Buntentorsteinweg 99, sowie in der Friesenstraße 124.

Der Absturz eines einmotorigen Sportflugzeuges am 16. Januar 1968 in Grolland, Tom DykStraße 37, forderte zwei Menschenleben.

Als Nachfolger von Branddirektor Kurlenski wurde am 1. Oktober 1962 der neue Branddirektor Karl 0berdieck von Bürgermeister Adolf Ehlers in sein Amt eingeführt. Oberdieck leitete die Feuerwehr Bremen bis zum 31. März 1969.

Die Nachfolge von Branddirektor Oberdieck, der die Zentralisierung der Feuerwachen und eine wesentliche Vermehrung des Personals eingeleitet hatte, trat am 1. April 1969, der am 14. 7. 1961 eingetretene und inzwischen zum bd braunBranddirektor beförderte, Dipl.Ing. Jörn  Braun  an.

Am 1. Januar 1970 waren folgende Feuerwachen im Bremer Stadtgebiet vorhanden:

Feuerwache 1, Am Wandrahm 24,
Feuerwache 2, Bennigsenstraße 16, 
Feuerwache 4, Woltmershauser Allee 1 (Hohentor)
Feuerwache 5, Holzhafen, Waller Stieg,
Feuerwache 6, Gröpelinger Heerstr. 226,
Feuerwache 7, Aumunder Feldstr. 41

Am 1. Januar 1970 betrug die Personalstärke 534 Mann, einschließlich des gehobenen und höheren Dienstes. Um für die Zukunft die Einsatzfähigkeit der Feuerwehr nicht nur zu erhalten, sondern noch zu erhöhen und um allen Aufgaben der Berufsfeuerwehr einer Groß- und Hafenstadt gerecht zu werden, hat die Leitung der Feuerwehr Bremen im Jahre 1965 der zuständigen Deputation (dem Senator für Inneres) einen Zehnjahresplan vorgelegt.

Die Geschichte der Bremer Berufsfeuerwehr ist untrennbar mit der Entwicklung der FREIEN HANSESTADT BREMEN verknüpft. Die Männer der Feuerwehren in Bremen haben wesentlich zur Erhaltung der Stadt und zur Sicherheit ihrer Bürger beigetragen
.
Großfeuer in einem Holzlager 1968
Der gute Bürgersinn der Hansestädter ist auch heute noch lebendig.

geschrieben im Jahre 1969 von H. Schwenker
überarbeitet im Jahre 2005 von D. Schwenker

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 Löschzug im Einsatz am Ostertorsteinweg
 

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