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05. 05. 2005
Letzte Aktualisierung
am 11. 11. 2016

Was geschah am 4.10.1941 im Raum Borki genau?

Der Oberwachtmeister L. Ellenrieder, heute, im Dezember 2007 91 Jahre alt, berichtete mir per Mail über das Tagesgeschehen vom 04. Oktober 1941 am Südufer des Mesha´s

Hallo Herr Schwenker,

 ich habe heute versucht, meinen Vater über die damaligen Geschehnisse zu befragen. Über die Gesamtumstände ist er nicht mehr so gut informiert, wohl aber über den letzten Einsatz von Weert. Hier sein Bericht:
 
 Mein Vater, L. E., geb. 31.05.1916 in K. /Schwaben, Oberwachtmeister der Artillerie in der 12. Batterie des 120. Artillerieregiments, kam im Dezember 1940 zur Neuaufstellung der 110. Infanteriedivision nach Munsterlager. Im Laufe der Zeit bis zum Transport in den Einsatzraum im Juni 1941 wurde die Nachrichtenstaffel der 12. Batterie aufgestellt. Dabei lernte mein Vater als Staffelführer auch Weert Zell kennen und beschreibt ihn als netten, ruhigen und eher zurückhaltenden Menschen. Gemeinsam durchliefen sie Ausbildung und Übungen.
 
 Den letzten Einsatz von Weert Zell beschreibt er so:
 
 Die Batterie befand sich auf dem Vormarsch in Richtung Osten im Raum Borki. Der Marsch ging auf einer kleinen Straße entlang der Mesha, angrenzend befand sich ein Wald. Die kleine Nachrichtenstaffel, ca. 6 Mann, hatte die Aufgabe, eine Kabelverbindung vom vorgezogenen Beobachter zur Geschützstellung herzustellen. An diesem Tag, dem 03.10.1941, gab es keine Gefechte und die Lage war vergleichsweise ruhig. Man vermutete lediglich, dass im angrenzenden Wald jenseits der Mesha russische Soldaten waren und schlug daher an einer relativ sicheren Stelle das Nachtquartier auf. In dieser Nacht kam der erste Frost in diesem Winter auf und die Staffel verbrachte eine ruhige, aber kalte Nacht. Am Morgen bereitete Batteriechef Fricke die Soldaten auf den Weitermarsch vor. Ein Soldat aus Wien brachte gerade den Kaffee per Pferd zu den Landsern, als Fricke den Befehl gab, die Verbindungsleitung zum vorgeschobenen Beobachter weiter zu bauen. Also ging mein Vater mit Weert Zell auf der Straße zurück zum Materiallager, um neue Kabeltrommeln zu holen. Nach ca. 100 m gab es einen Granatwerfereinschlag auf der Straße, der jedoch keinen Schaden anrichtete. Beide, Weert und mein Vater liefen sofort los, um Schutz und Deckung zu suchen. Sofort schlug eine zweite Granate zwischen meinem Vater und Weert ein. Bei diesem Granateneinschlag  wurde Weert am Kopf getroffen und war sofort tot, meinem Vater wurde der linke Unterarm zerschmettert.
 
 Mein Vater kann ausdrücklich versichern, dass Weert sofort tot war und nicht mehr leiden musste. Mein Vater kam ins Lazarett von Smolensk und schrieb von dort einen Brief an die Familie von Weert, in dem er mitteilte, dass Weert nicht leiden musste. Woher er die Adresse hatte, weiss er nicht mehr. Aber er wußte und weiß auch heute noch von der Existenz der Schwester von Weert.
 
 Mein Vater kam dann zurück in die Heimat und wurde in langwierigen Operationen wieder einigermaßen hergestellt. Heute ist er Pensionär und gesundheitlich mit 91 Jahren schwer angeschlagen. Meine Entdeckung hat ihn ziemlich aufgeregt und aufgewühlt, so daß ich ihm eine Ruhepause gönnen muss.
 
 In der Anlage schicke ich noch 3 Fotos, die ich heute in seinem Album gefunden habe und aus September / Oktober 1941 aus dem Kampfgebiet der 12. Batterie stammen.
 
 Ich hoffe, Ihnen geholfen zu haben und wünsche, dass zukünftigen Generationen solche Grausamkeiten erspart bleiben.
 
 Mit freundlichen Grüßen

Seiner Mail waren drei Fotos beigelegt.
 

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Ich möchte ganz herzlich für diese Informationen, selbstverständlich auch im Namen der Familie von Weert Zell, bei K. E., dem Sohn des ehemaligen Zugführers von Weert für seine Anteilnahme an dieser Webseite danken.

Dieser Dank geht auch an  den Vater von K. E., ohne dessen Auskunft diese neuen Erkenntnisse über den Tod von Weert nicht  an die Familie weitergeleitet  werden könnte.

Danke.

 

 Ich danke allen Besuchern für das Interesse an meiner Webseite.