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05. 05. 2005
Letzte Aktualisierung
am 11. 05. 2019

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Alarm auf Knopfdruck

Fernmeldeanlagen für den Brandschutz

Walter Stoib, München von 1970

Bei der Bekämpfung von Bränden kommt es darauf an, nachdem ein Feuer gemeldet wird, die Löschmaßnahmen so schnell wie möglich einzuleiten. Der heutige Stand der Fernmeldetechnik gestattet es, die Feuerwehren rechtzeitig über einen entstandenen Brand zu informieren, so daß kurzfristig Hilfeleistungen durchgeführt werden können. Im Einzelnen finden folgende Techniken ihre Anwendung:

Selbsttätige Feuermeldeanlagen

Es ist von großer Wichtigkeit, einen Brand möglichst im Stadium seiner Entstehung zu erkennen. Selbsttätige Feuermeldeanlagen haben den Zweck, Räume, in denen wertvolle Güter oder feuergefährliche Stoffe untergebracht sind, ständig zu überwachen und bei Brandausbruch selbsttätig Alarm zu geben.
Selbsttätige Feuermelder schützen Fabriken und Handwerksbetriebe, Lagerräume und Bürogebäude und werden u. a. in Fernsprechämtern, Theatern, Archiven, Museen, Wohnräumen und auf Schiffen mit Erfolg eingesetzt.
Im Blockschaltbild 1 wird eine Anlage dieser Art erläutert, die im wesentlichen aus einer Anzahl von Feuermeldern besteht.
Von einer zentralen Empfangseinrichtung führen ruhestromüberwachte Leitungen — Meldelinien — mit den angeschlossenen Meldern in die zu schützenden Räume. Spricht in deren Meldelinien ein Melder an, löst er in der Empfangseinrichtung einen optischen und akustischen      Alarm aus. Störungen in der Meldelinie wie Drahtbruch oder Erdschluß und Störungen in der Empfangseinrichtung oder der Stromversorgung werden auf unterschiedliche Weise gemeldet.
Je nach Art der Räume und Objekte bzw. deren Lagergut oder Einrichtungen wird man bestimmte, typische Brandarten zu erwarten haben: Schwelbrände ohne sichtbare Flamme und nur schwacher Rauchentwicklung, stark qualmende Brände, Brände mit starker Flammenbildung und großer Hitzeentwicklung. Für diese Brandarten gibt es verschiedene Meldertypen, die sich in ihrem physikalischen Arbeitsprinzip unterscheiden: Der Wärmemelder, der optische Rauchmelder, der Flammenmelder und der lonisa-tionsfeuermelder. Alle Meldertypen sind auf genormte Sockel montiert und können in der gleichen Anlage eingesetzt werden.
Der lonisationsfeuermelder reagiert bereits auf kleinste Mengen der bei jeder Verbrennung entstehenden Brandgase. Er ist deshalb der am besten geeignete Melder zur Früherkennung von Bränden, insbesondere von Schwelbränden Zur Feststellung von stark qualmenden Bränden kann der optische Rauchmelder eingesetzt werden, dessen Funktion auf dem Tyndall-Effekt beruht — Lichtstreuung in einem optischen Labyrinth durch Rauchteilchen. Ist bei einem Brandausbruch sofort eine starke Flammenbildung zu erwarten, so kann der elektronische Flammenmelder eingesetzt werden. Dieser spricht auf die infrarote Strahlung der Flammen und auf ihre typischen Flackerfrequenzen von 6 bis 30 Hz an.
Auf die Hitzeentwicklung bei Bränden reagieren die Wärmemelder, wobei der Maximalmelder anspricht, wenn die Raumtemperatur einen eingestellten Maximalwert erreicht hat, der Differentialmelder dagegen einen zu schnellen Anstieg der Raumtemperatur meldet. Alle diese Meldertypen können mit besonderen Zubehörteilen Neben der örtlichen Alarmgabe in der Feuermeldeempfangseinrichtung sollte auch eine Alarmweiterleitung im Rahmen eines generellen Brandschutzplanes an hilfeleistende Stellen außerhalb des eigenen Bereiches erfolgen. Im Bremer Stadtgebiet wird ein Feueralarm zur Feuerwehr geleitet. Ergänzend kann ein Feueralarm zur Auslösung verschiedener Steuerfunktionen verwendet werden, z. B. Abschalten der Klima- oder Belüftungsanlage und Schließen von Ventilationsklappen, Schließen von Brandschutztüren, Abschalten von Maschinen oder Apparaten, Einschalten einer Rauchentlüftungsanlage, Einleitung einer automatischen Löschung.
Neben den selbsttätigen Feuermeldern werden auch handbediente Druckknopf-Feuermelder installiert, damit Personen einen selbst verursachten oder beobachteten Brandausbruch sofort melden können.

Öffentliche Feuermeldeanlagen

Um der Öffentlichkeit die Möglichkeit zu geben, jederzeit und ohne auf ein Telefon angewiesen zu sein, bei einem Brandausbruch die Feuerwehr zu alarmieren, rüsten sich Städte und Gemeinden schon seit Mitte des letzten Jahrhunderts mit öffentlichen Feuermeldeanlagen aus. Diese bestehen im Wesentlichen aus einer Anzahl im Stadtgebiet verteilter Melder mit Druckknopf-Betätigung und einer bei der Feuerwehr installierten Feuermeldezentrale. Bei diesen Anlagen sind die Melder über eine eindrähtige Schleifenleitung mit der Zentrale verbunden. Um den Standort eines betätigten Melders in der Zentrale anzeigen zu können, enthalten die Melder mechanische Laufwerke, die nach Auslösung charakteristische Impulszeichen zur Zentrale senden und damit die Melder identifizieren. Es besteht auch die Möglichkeit diese Melder auf einer Freisprecheinrichtung zu erstellen. Ausgedehnte private Meldeanlagen können an einen Hauptmelder angeschlossen werden. Dadurch ist es möglich, einen Feueralarm in einer privaten Feuermeldeanlage direkt an die Feuerwehr weiterzuleiten. Die Entwicklung der Meldetechnik zeigt seit 1955, daß die Hilferufe über öffentlich zugängliche Melder von unterschiedlicher Art sein können. Dieser Tatsache wird durch ein gemeinsames Notrufsystem für Polizei und Feuerwehr, wie es das NPF-System darstellt, Rechnung getragen. Das NPF-System hat keine Laufwerksmelder mit glasverdecktem Auslöseknopf, sondern eine moderne Kunststoff-Rufsäule zur freien Aufstellung oder eine Kunststoff-Rufstelle zur Wandmontage. Beide Geräte enthalten neben dem Rufhebel eine Freisprecheinrichtung mit Mikrofon und Lautsprecher. Der Meldende benutzt die Rufsäule bzw. Rufstelle im Gegensatz zu den Meldern des Schleifensystems wie einen Fernsprecher. Das NPF-System erlaubt den Anschluß von zwei Abfragestellen, wobei eine davon der Feuerwehr, die andere der Polizei zugeordnet wird. In Bremen treffen alle Rufe bei der Feuerwehr als erste Abfragestelle ein, die sie bei Bedarf zur Polizei als zweite Abfragestelle weiterschaltet. Die Melder sind einzeln über zweiadrige, ruhestrom überwachte Leitungen (eigene Kabel oder Postmietleitungen) an die Feuerwehrzentrale angeschlossen. Damit ist auch die rufende Meldestelle identifiziert. Bei größeren Anlagen würden sich bei direktem Anschluß zu große Leitungslängen und damit ein zu hoher Kostenaufwand ergeben. Das NPF-System ist deshalb als Knotenamtssystem ausgebildet, das wesentlich kürzere Leitungslängen ermöglicht. Die Meldestellen eines kleinen Gebietes werden an ein Knotenamt angeschlossen, das die Verbindungen über eine gemeinsame, zweiadrige Knotenamtsleitung, die ebenfalls ruhestromüberwacht ist, zur Zentrale durchschaltet. Besondere Einrichtungen sorgen dafür, daß jede rufende Meldestelle in der Zentrale eindeutig identifiziert wird.
Neben den öffentlichen Meldestellen können an das NPF-System auch Privatmelder angeschlossen werden. Diese dienen als Bindeglied zwischen einer privaten, selbsttätigen Feuermeldeanlage und der öffentlichen Rufanlage, so daß auch hier die direkte Weitergabe von Feuermeldungen aus privaten Anlagen an die Feuerwehr möglich ist (siehe Blockschaltbild 2).

Blockschaltbild des NPF-Systems



Für die Weiterleitung der Meldungen von privaten Feuermeldeanlagen zur Feuerwehr steht heute auch ein elektronisches Meldesystem mit digitaler Leitungsüberwachung (MDL-System) zur Verfügung. Dieses System wurde besonders für die Verwendung von gemieteten Fernsprechleitungen entwickelt, wobei durch die Anwendung des neuartigen Prinzips der digitalen Leitungsüberwachung eine außergewöhnliche Unempfindlichkeit gegen Störeinflüsse auf den Leitungen, z. B. induzierte Stromstöße, Widerstandsänderungen u. ä., erreicht wird. Die Meldestellen dieses Systems sind Privatmelder, die den selbsttätigen Feuermeldeanlagen zugeordnet sind. Sie werden über zweiadrige Fernsprechleitungen an die bei der Feuerwehr installierte MDL-Zentrale angeschlossen. Die eintreffenden Meldungen werden in der Zentrale optisch und akustisch signalisiert, eine Registriereinrichtung hält jede Meldung selbsttätig mit Meldenummer, Tag und Uhrzeit dokumentarisch fest Einsatzzentrale mit Datenverarbeitungsanlage
In den letzten Jahrzehnten wurden die Fernmeldeanlagen für die Feuerwehr dem technischen Fortschritt entsprechend verbessert. Durch die Entwicklung der Datentechnik ergibt sich die Möglichkeit, auch die moderne Datenerfassung, -speicherung und -Verarbeitung in den Dienst der Feuerwehr zu stellen. Die mit einer programmierten, elektronischen Datenverarbeitungsanlage ausgerüstete Einsatzzentrale Typ EZ 2000 kann das Personal der Feuerwehr von Routinearbeit entlasten und auf Anforderung eine große Menge einsatzbezogener Daten und Informationen bereitstellen

Blockschaltbild mit einer selbsttätigen Feuermeldeanlage

 

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