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Leonid aus Dubna, Russland, sucht seinen seit 65 Jahren vermißten Großvater

Am 19.August 2006 erhielt ich eine Mail aus Russland. Ein russischer Herr, mit Vornamen LEONID, schrieb darin:

Ich suche seit 65 Jahren meinen Großvater, der seit dem 19.11.1941, bei Kampfhandlungen zwischen dem Regiment 785 und der 78. Infanterie Division, vermißt wird. Kannst du mir weiterhelfen?

Ich antwortete ihm, dass ich alles versuche werde, aber das es sehr schwer werden würde. Weiter bat ich ihn um nähere Information über seinen Großvater, z.B. wo er vermißt wurde und einige persönliche Daten.

In einer Mail vom 23.8.2006 stellt sich Leonid und seine Familie vor:

Er schreibt: Mein Großvater war Vater von 2 Söhnen und 1 Tochter. Meine Großmutter, die Frau von meinem vermißten Großvater, verstarb vor 10 Jahren. Die Kinder der Beiden schenkten ihnen 4 Enkel und ein Menge Urenkel, die mein Großvater leider nicht mehr kennenlernen durfte.

Das 1. Bild zeigt meinen Großvater am 28.8.1941 am Tage der Abfahrt an die Front. Vorher kämpfte er in den Räumen Smolensk und Wasma. Das 2. Bild zeigt Großvater mit 3 weiteren Kameraden.
Mein Großvater mütterlichseits war vor, während und nach dem Kriege von  Beruf “Traktoroperator” in den großen Weizenfeldern. Er bekam den Leninpreis für das Einbringen einer der größten Weizenernten.

Der Großvater meiner Frau mußte in Sewastopol auf der Krim kämpfen und ist  28.7.1942 dort gefallen. Die Grabstelle ist uns auch unbekannt. Ein Bruder meiner Frau fiel 1941 in der Festung Brest. Nähere Umstände seines Todes sind uns ebenfalls unbekannt.
Der andere Großvater meiner Frau verlor bei einer großen Explosion 1916 ein Bein und ist seit dem Invalide. Die Familie meiner Frau lebte in Dnepropetrovsk in der Ukraine. Dieses Gebiet war von 1941 bis 1943 unter deutscher Besatzung.

Ich lebe mit meiner Frau und unseren 2 Kinder (einen Sohn und eine Tochter) in der Stadt Dubna, ca. 120 km nördlich von Moskau. Von Beruf bin ich Holzschnitzer und erstelle Ornamente aus Holztafeln.

ChetverikovLeonid antwortete mir meine Fragen umgehend wie folgt:

Name: Chetverikov, Feodor Stepanovich
Geboren 1903 in Gorohovetsky in Dorf Solovieco
Einheit: 144. Division 785. Regiment -5. Ru-Armee
vermißt: am 19.11.1941 bei Mihailovskoe / Gebiet Zveniggorod, vor Moskau
Archiviert im Zentral Archiv des Verteidigungsministerium Moskau

In dem Buch:” Die 78. Infanterie-und Sturm-Division” fand ich schnell heraus, das am 19.11.1941 nur das 215. Infanterie Regiment dem russischen Regiment 785 gegenübergestanden haben kann. Selbst eine aufschlußreiche Karte über die genauen Bewegungen der Einheiten der 78.ID stand mir nun zur Verfügung. Beide Informationen schickte ich nach Rußland. Gleichzeitig bat ich in verschiedenen Fachforen im Internet eine Suchanfrage: “Wer weiß näheres über die Kämpfe des I.R. 215 am 19.11.1941 bei Mihailovskoe vor Moskau?”

Am späten Nachmittag erhielt ich eine weitere Mail aus Rußland. Leonid antwortete mir auf meine Frage “was denn sein Ziel dieser langen Suche sei” mit folgenden Worten.

 Feodor Stepanovich ChetverikovSeit vielen Jahren suche er nach der Grabstätte seines Großvaters. Er war erst im Mai 2006 im Raum von Mihailovskoe gewesen. Auf dieser Erkundungsreise habe er sehr viele Gedenksteine von gefallenen russischen Soldaten des Regimentes 785 gefunden, die mit ihren Daten auf diesen Gedenksteinen verewigt waren. Nur den Namen seines Großvaters habe er nicht finden können.  Er möchte im Namen seiner Familie die letzte Ruhestätte des Großvaters finden und diese mit einem Gedenksteine versehen, um einen Platz zum Trauern und zum Gedenken zu haben.

Aus gleichem Grunde suchen immer noch sehr viele Angehörigen in Deutschland ihre im Kriege vermißten Väter und Großväter. Wobei ich durch meine Mitarbeit in dem Foren www.vermißt-gefallen.net den  Eindruck habe, dass es immer mehr Menschen werden, die sich auf die Suche nach vermißten Angehörigen begeben.

Am 21.8.2006 erhielt ich eine Antwort auf meine Anfrage im Forum.
- Das 215. I.R. war bei Mihailovskoe am
19.11.41 in schwere Kämpfe verwickelt.

Hier der Bericht:

Am 16. November setzte das I.R. 215 einen Spähtrupp, der aus besonders bewährten Leuten des III. Bataillons bestand aus. Sie sollten einen Weg am Westrand des Waldes von Michailowskoje erkunden. Über diesen könne das ganze Regiment im Gänsemarsch ohne Fahrzeuge hinter die feindliche Front gelangen. Auf das Ergebnis des Spähtrupps baute Oberst Me seinen Plan auf, der am 19. November durchgeführt wurde. Der Unteroffizier Frö bekam für die Durchführung des Spähtrupps das "Deutsche Kreuz in Gold".
Inzwischen war das I.R. 238 aufgelöst worden, die 238er in die anderen Infanterieregimenter der Division eingegliedert. Das I.R. 14 stand hinter dem rechten Divisions Flügel bereit!
Der Angriff sollte am 19.11. beginnen, da vor dem kalten Winter noch viele Geländegewinne erreicht werden sollten.
Die Pz.Gruppe 4 hatte die Aufgabe, nach Durchbrechen der neuen Verteidigungslinie Moskau von Norden und Nordosten her abzuschließen. Das Ziel des IX.A.K. war zunächst die Straße Swenigorod-Istra und die Stadt Swenigorod.
Starker Nebel lag am 19.11. auf den verschneiten Wiesen und Wäldern, als die 78. I.D. zum Angriff antrat.
Beim Vorrücken stießen die Deutschen im Wald nördlich Kryukowo auf Bunkeranlagen der Russen. Nahezu 100 Bunker mussten einzel eingenommen werden.

Es wurden 50 tote Russen und 100 Gefangene gezählt. Es wurden mehrere Batterien und Waldlager eingenommen.

Noch am Mittag stand das Regiment am Waldausgang vor  Michailowskoje. Das II. Bataillon (ohne 5. Kompanie) griff die Ortschaft sofort von Westen her an. Es stieß auf starken Widerstand und stellte fest, dass das Dorf stark ausgebaut war. Gleichzeitig nahm der Russe die Höhe nordwestlich von  Michailowskoje ein. Das II. Bataillon sollte die Stellung halten und das I. Bataillon wurde so gestellt, dass es die befestigte Höhe nordwestlich von  Michailowskoje von Norden her angreifen konnte. Die vorher herausgenommene 5. Kompanie sollte sich von Nordosten her an diesem Angriff beteiligen. Das III.Bataillon blieb als Verstärkung zurück.
Nun kamen auch die Sturmgeschütze, die 14. Kompanie und dahinter die Artillerie und die 13. Kompanie auf dem Fahrzeugweg an.
Die Kampfgruppe entschloss sich, die Artillerie nicht abzuwarten, sondern den Feind mit den Sturmgeschützen, dem I. Bataillon und der 5. Kompanie möglichst früh anzugreifen und mit der 14. Kompanie von Westen her Feuerschutz zu geben.
Gegen 15 Uhr begann der Angriff auf  Michailowskoje. Gegen 16 Uhr drangen die Kompanien von Norden her über den Hügel ins Dorf vor. Nun kam auch das II. Bataillon wieder zum Zuge. Es erreichte um 16.30 Uhr von Westen her die Dorfmitte.

Resultat:
Der feindliche Widerstand war gebrochen; -drei Offiziere, ein Kommissar und 96 Mann waren gefangen, -70 Bunker gestürmt und gesäubert, -sieben Geschütze und andere Beute eingebracht. Die Verluste auf der Deutschen Seite betrugen einen Toten, 16 Verwundete.

Ist dieser Bericht der Schlüssel zum Verbleib des Soldaten?
Wurde der Großvater von Leonid Gefangener der 215. IR.?
Klärung soll eine Anfrage vom 23.8.2006 beim RK-Suchdienst bringen.

4-8-1941Die letzten geschriebenen Worte von Feodor Stepanovich Chetverikov an die Familie.
Diese Bildbeschriftung wurde vor dem Abmarsch an die Front getätigt, festgehalten für die Ewigkeit auf der Rückseite des Bildees ganz oben vom 27. August 1941.

Hier eine russiche Darstellung der Kämpfe um Kriukowo  und  Michailovskoie

Um 7.00 am 19.11.41 griffen zwei deutschem Infanterie Regimenter, die 215.I.R. und 195.I.R. von den Ortschaften Kolubakino, Visokowo und Porechije her an. Ziel des Angriffes waren Chotiazi und Michailovskoie.
Auf die russischen Verteidiger, dem I.449 I.R. und III.449 I.R.kamen 4 deutsche Panzer zu.
50 deutsche Infanteristen sind bei den Stellungen der russischen III.449 I.R durchgebrochen und stürmten auf Chotiazi und Michailovskoie zu. Oberst Savinov, der Kommandant des I.R.449, hat 2 Züge von russischen Infanteristen und 2 Panzerhaubitzen aus der II.449 I.R. den angreifenden Deutschen entgegen geworfen. Unter der Führung des Polizeipräsident Peter Anisimovich Pitsevich sollte der deutsche Angriff gestoppt werden. Die restlichen Züge der I.449 I.R. unter Kapitän-Arhipov zog sich zurück und richtete die Verteidigung von Kriukowo ein. Die Deutschen brachen an alle kämpfenden Frontabschnitte durch und griffen nun Kriukowo mit großer Macht an. Die Russen konnten den ersten Angriff abwehren. Die Deutschen zogen sich zurück.
Die deutschen Einheiten versuchten 3 mal frontal und 2mal über die Flanken her anzugreifen. Bei diesen Angriffen fielen sehr viele russische Soldaten. Den Deutschen gelang es nicht, wegen der tapferen Gegenwehr, den Ort einzunehmen.
Sie zogen sich wiederin den Wald zurück.
Die Deutschen änderten gegen Mittag ihre Tatik und versuchten den Ort ein zukesseln. Zwischenzeitlich haben die deutschen Artilleriebeobachter die russischen Artilleriestellung ausgemacht
Der sechste Angriff begann. Die deutsche Artillerie beschoß die russischen Artilleriestellungen mit vernichtender Wirkung. Aus dem Wald  griffen die 4 Panzer, gefolgt von Grenadieren in gepanzerten Fahrzeugen, an.
Der deutsche Panzer auf der rechten Flanke wurde von einer Panzerfaust getroffen und außer Gefecht gesetzt.
Der Soldat Boldyrev schoß aus einem Bunker mit einem Maschinengewehr. Er konnte viele Feinde töten. Die verbliebene russische Artillerie feuerte verbissen. Die deutschen Grenadiere warfen sich auf dem Boden und mußten sich zunächst zurückwärtig ausgebreiten. Die russische Infanteriesoldaten gingen im Nahkampf zum Gegenangriff über. Sie hatten die Bajonette aufgesteckt. Die Deutsche liefen zurück.
Die Deutschen setzten nun verstärkt die Haubitzen ein und schossen Nebelbomben. Die Panzer nebelten sich ein. Der russische Gegenangriff konnte gestoppt werden und die russischen Einheiten zogen sich zur rechten Flanke über die Brücke im Ort zurück, die die russische Soldaten bislang gehalten haben. Die russischen Soldaten haben erzählt, daß ihr Kommandant, der Bataillonskapitäns Arhipov, gefallen ist.
Kurz darauf nahmen die Deutschen Kriukowo endgültig. Noch zweimal versuchten die russischen Einheiten sich Kriukowo zu nähern und zurückzuerobern.

Die russischen Einheiten sammelten sich um Michailovskoie und erbauten eine Verteidigungslinie.
Am Abend 19.11. griff kleine Gruppe von Deutschen, unterstützt von Haubitzen Michailovskoie an, durchbrach die Verteidigungslinie des I.R.449 zwischen der linken Flanke des I.Batailon und der Rechten des 2. Bataillon, das dort ohne Auftrag zur Sicherung lag.

Das I.R.449 hat an diesem Tage bis zur letzten Kraftreserve gekämpft und sehr viele Soldaten verloren.

Quelle: Regimentsgeschichte des russischen I.R.449
Russischer Autor und russische Ausgabe. 

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