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am 20. 01. 2017

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Die Eltern von Heinrich Schwenker

Sein Vater, Carl Heinrich Diedrich Schwenker, geboren am 15.11. 1875, in Lehe (Bremerhaven) war Kesselschmied, die Mutter, Geelke Eden, geb. Beenders, geboren am 5. Februar 1888, kam aus Westlinteln, im Kreis Norden. Geheiratet haben sie 1917.

Für beide Eheleute war es die zweite Ehe. Jeder brachte ein Kind  aus der ersten Ehe mit. Der Ehemann war Vater einer Tochter namens Martha, die Ehefrau Gehlke Mutter eines Sohnes namens Otto Erstling

Carl Heinrich Diedrich Schwenker erwarb am 5. November 1909 für 16.20 Mark mit dem Bürgerbrief das Wohnrecht in Bremen und legte mit gleichem Datum den “ STAATSBÜRGEREID” ab

Die Schwenkers wohnten seit mindestens 1903 (1900 wohnte man in der Grenzstr. 21) in dem, von der am 15.02.1915 verstorbenen 1. Ehefrau Elisa Schwenker, vererbten Haus in der Neckarstrasse 70. Vorher lautete die Adresse ab dem Jahr 1901 “Neckarstrasse 71”. Carl Heinrich Diedrich Schwenker schaffte seit Jahren bei den Bremer Gaswerken (Gasanstalten) als gelernter Kesselschmied.

opa_1910 GW

Fotoquelle: Buch “ Arbeiten im Gaswerk 1900 bis 1965”                            Das Foto zeigt Facharbeiter aus 1910

gaswerk 1900_1

Gaswerk 1910

gaswerk 1900_3

Gasbehälter 1910

gaswerk 1900_2
soldat chd

Links das Verwaltungsgebäude der Gaswerke

Mit der Machtübernahme durch die Nazi´s änderte sich das Leben von Carl Heinrich Diedrich Schwenker und dessen Familie schlagartig. Die Judenverfolgung machte der Familie Angst. Angeblich sollte in den Adern von Senior Schwenker 1/8 jüdisches Blut fließen. Ein Vorfahre von der Mutter CHD, der Helene Schwenker, geb. Krooß, war der im Jahre 1733 geborene Jude Jakob Isaacs. Dieser konvertierte 1757 zum Christentum und erhielt den Namen Gotlob Christian. 1759 heiratete Gotlob die junge Frau Becke gaswerk_1933Sparke, wie sich später heraus stellt, die Großmutter von Helene Schwenker. Somit waren jedoch schon die Mutter von KHD Schwenker 1/8 Jüdin und damit wurden KHD Schwenker wie auch seinen anderen Geschwister, nach den Rassengesetzten der Nazi nicht mehr verfolgt. Das aber, wußte zu diesem Zeitpunkt keiner der Familie.

Von diesen Ängsten getrieben, trat CHD Schwenker bereits 1933 in die NSBO ( Nationale Betriebszellen Organisation ( Nazi Gewerkschaft)) ein und direkt nach der Gründung der DAF  (Deutsche Arbeiter Front), wurde er dort Mitglied.

1934 trat er in die immer mächtiger werdende SA ein und denunzierte fortab seine Kollegen und Nachbarn in massivster Weise. Für die führende Teilnahme an einem Vorfall im Jahre 1935  im Gaswerk wurde er 1949 auf Grund der Entnazifizierung schwer bestraft und als belasteter aktiver Nazist eingestuft. 
(Siehe unten “ Der Spruch und das Urteil der Berufung”)

1934_SA

Laut dem Gerichtsurteil gegen CHD Schwenker und familiären Erzählungen war es nicht ein SA-Mann der Gelder der DAF unterschlagen hatte,  sondern der Betriebsratvorsitzende W. Dieser wurde dann von der  organisierten Belegschaft mit Pauken und Trompete, teilweise mit einem Sack übern Kopf, durch das Betriebsgelände gejagt, dann mit dem Schild versehen (siehe Bild oben) und mit Trommelwirbel und Paukenschlägen durch Woltmershausen zum Festplatz der 1. Mai - Feier am Grünen Kamp getrieben.

gaswerktor_1935

Die Jahre 1934 und 1935 verschlechterten den Ruf von CDH Schwenker so schlimm, dass er  bis zu dessem Tode im Jahre 1957 weitgehend bestand hatte. Die Nachbarschaft sah ihn am Liebsten nur von hinten.
In der zweiten Hälfte von 1935 flog CHD Schwenker wegen fehlender Reinrassigkeit aus der SA. Der Mitgliedsbeitrag von 2 Reichsmark (RM) kam nun der Familie zu gute.
1936 trat Schwenker senior aus der DAF aus, ob er in Wahrheit ausgetreten wurde, entzieht sich meiner Kenntnis.
1937 stempelte man CHD mit 66% Behinderung zum Invalidenrentner. Er schied beim Gaswerk aus.
1938 überschrieb er seinem Sohn das Haus in der Neckarstrasse 70. CHD Schwenker wurde während des 2. WK nie als Soldat eingezogen und auch zum letzten Aufgebot von Hitler, dem Volkssturm,  gehörte er nicht an. Dennoch wurde er am letzten Kriegstag (28.4.45) von den Engländer beim Verlassen eines Erdbunkers in Bremen Huchting angeschossen und von der Kugel ins rechte Bein getroffen.

marta_opa_annegretz

Das Bild muß nach 1934 aufgenommen worden sein. Es zeigt CHD Schwenker in SA - Hosen und Stiefel mit Tochter Martha und Enkelin Annegreth in Bremen Huchting.

Hier am Roggenkamp war man 100% Selbstversorger und wenn die Ernte von Opa´s Wartumer Pazelle  dazu kam, konnte man im Verhältnis auch während der Kriegstage  noch richtig gut leben.

Glück war natürlich auch Mitte Juni 1945 die frühe Heimkehr von Vater aus dem Krieg, bzw. aus der amerikanischen Kriegsgefangenschaft.

1945, nach Kriegsende, zogen die Schwenkers zur Tochter Martha. Das Haus in der Neckarstrasse mußte schnell repariert werden. Hatte doch eine Fliegerbomde den ausgebauten Dachboden zum Teil zerstört.

1947 folgte CHD Schwenker nicht der Aufforderung, die Entnazifizierungsunterlagen  auszufüllen und diese der Behörde zwecks Bearbeitung zu übergeben.

1948 wurde er deswegen von der Polizei verhaftet und der Justizbehörde zwangsvorgeführt.

1949 folgte die Verurteilung als “ Belasteter “, eine Berufungverhandlung blieb erfolglos.  Der Richterspruch:

spruch1
spruch2
spruch3

Die Berufungsverhandlung und das Ergebnis.

urteil1
urteil2
urteil3

Die Begnadigung

begnadigung

1952 erfolgte die Begnadigung durch den Senat von Bremen.

Nach Begnadigung passierte bei den alten Schwenker nicht mehr viel. Die Kriegsfolgen, vor allem die erlittenen Entbehrungen zeigten die ersten Mangelerscheinungen. Man kränkelte.

CHD Schwenker überlebte in den Jahren mehrere Schlaganfälle und mindestens 2 Herzinfarkte. Im 81. Lebensjahr mußte man ihm das rechte Bein in Höhe des Oberschenkel wegen eines aufgekratzten Mückenstiches am Fuß amputieren. Zu lange hatte er sich gegen die Amputation der unteren Gliedmaßen gewehrt.

Oma Schwenker verstarb im Nov. 1957. Opa Schwenker folgte ihr einige Monate, im April 1958.

omaopa

 

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