dieterrel

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05. 05. 2005
Letzte Aktualisierung
am 11. 11. 2016

rauchmelder133
V5

Eine JU 88 A-4 mit der Kennung

V 4  +  M H

(Werk-Nr.: 1114, die auch genannte Werks-Nr.: 1113 kann es nicht sein)

wird seit dem 27.7.1943, nahe der Küste Siziliens, vermisst.

Der Flugzeugführer Otto Thiede und seine Besatzung wurde am 26.7.1943 mit der Ju 88 A-4, Flugzeugkennung: V4+MH, von Norditalien nach Foggia, Süditalien, zum Flughafen Morin befohlen. Das Kampfflugzeug gehörte zur  1. Staffel der

I. Gruppe des  Kampfgeschwaders 1, dem

ärmelband

Aus seinem letzten Feldpostbrief konnte ich entnehmen, dass  die 1. Gruppe des Geschwaders am 25. 7. 1943 dienstfrei hatte. Am 26. 07.1943 verlegte die Gruppe, laut dem Buch -Kampfgeschader 1 “ Hindenburg “ von Gerhard Baeker- , von Viterbo nach Foggia. Hier kam schon in der Nacht vom 26.7. auf den  27. 7. 1943 für den Flugzeugführer Feldwebel Otto Thiede und seiner Crew der Einsatzbefehl zum Feindflug gegen die Amerikaner. Gemäß den Ermittlungen sollte die Maschine, sicherlich mit gesamter Gruppe, wohl auch mit Gruppen aus dem, ebenfalls in Foggia stationiertem KG 76, in den Raum von Gela an der Südküste Siziliens fliegen, um dort den amerikanischen Nachschub zu stören. Die Maschine meldete sich laut dem Stab des Kampfgeschwaders 1 noch einmal über Funk aus dem Raum Neapel. Nach letzten Erkenntnissen könnte das KG1 an der Versenkung der britischen Landungboote LCT-353 und LCT-108 vor Syrakus beteilgt gewesen sein. Die Maschine V4 + MH kehrte nicht mehr zu dem neuen Standort nach Foggia-Morin zurück. Bis heute gibt es keinen Hinweis auf den Verbleib der Besatzung und des Fliegers.

Die Besatzung des Kampffliegers JU88 A-4 / V4 + MH

otto_por1Wieser Adalbert1
Counter
Rohm WenzelSchaaf Herbert2

1. Staffel der I. Gruppe Kampfgeschwader 1 (Hindenburg)  Feldpost-Nr.: 33712A

verlustm

Recherchen ergaben für die Nacht vom 26.7. auf 27.7.1943 bezogen auf das Kriegsgeschehen aus der Luft keine nennenswerten Ereignisse. In Paloma wurden 10 Meilen vor der Küste ein amerikanischer Zerstörer aus der Luft lahm geschossen. Im Hafen von Siracusa wurde das Schiff Fishpool von deutschen Fliegern versenkt. Das Schiff war voller Munition. Es gelang der Besatzung noch, das Schiff in Mitten der Hafenbucht zu schleppen, wo es dann explodierte.
Viel interessanter jedoch ist die Tatsache, dass das Landungsboot LCT 353, der Klasse Markt III 625/650, in der gleichen Nacht ebenfalls in Siracusa von einem zweimotorigem deutschen Bomber an seinem Liegeplatz versenkt wurde.
Intensive Nachforschungen nach der Einheit von diesem Bomber liefen bisher alle ins Leere.
Vielleicht hat ja das KG1 mit der Versenkung etwas zu tun?

In der Nacht 19./20.07.1943 liefen S 30, S 33, S 54, S 61, S 152 und S 155 von Salerno aus, passierten die Straße von Messina und griffen vor Syrakus (seit 12.07.1943 in alliierter Hand) drei Zerstörer und drei Transporter an. S 61 meldete die Versenkung eines Zerstörers, S 33 meldete ebenfalls die Versenkung eines Zerstörers, S 54 meldete einen Torpedotreffer auf einem Dampfer von 8000 BRT. Der 3. Zerstörer jagte die Boote, dabei fiel ein Mann auf S 61. S 152 meldete die Versenkung eines Nachzüglers von 3000 BRT. Die Boote liefen nach Crotone, um zu versorgen, allerdings gab es weder Torpedos noch Kraftstoff. Kurz nach dem Einlaufen mussten die Boote mit Alarmstart den Hafen verlassen, da sich feindliche Einheiten dem Hafen näherten. Kurz darauf begann die Beschießung des Hafens. S 30 hatte noch einen Torpedo, alle anderen Boote waren verschossen. Daher liefen die Boote nach Tarent. Auch hier gab es weder Torpedos noch Kraftstoff.

Nach einer Woche traf der Nachschub ein und die vier Boote konnten in den Nächten 27. / 28.07. 1943 und     31.07. / 01. 08. 1943 im Seegebiet vor Syrakus operieren, allerdings ohne Schiffe zu sichten. Es kann davon ausgegangen werden, dass die Schiffsbesatzungen auch Ausschau nach der Flugzeugbesatzung der vermissten JU 88 V4+MH gehalten haben.

Die Nachforschungen nach der Besatzung und der Maschine sind noch nicht beendet. Augenblicklich konzentriert man sich auf die Findung von Unterlagen in den Museen und den Archiven der Tageszeitungen von Gela, Augusta, Syrakus und Catania, die das Kriegsgeschehen vor der Küste Sizilien widerspiegeln könnten. Fest steht seit Mai 2012, dass im Raum der möglichen Flugroute keine Flugzeugwracks gefunden wurden. Durch Fischer gefundene Flugzeugteile wurden dem jeweiligen Hafenkommandanten, einem Beamten der Küstenwache, gegen Bezahlung übergeben. Diese Fundbücher sollen bei der Küstenwache in Rom liegen. Wir werden auch dort anfragen.
Im Mai 2013 wurde eine weitere Forschungsreise nach Sizilien durchgeführt. Es konnten jedoch keine neuen oder nennenswerte Erkenntnisse in der Suche nach dem Verbleib der Besatzung und der  Maschine gewonnen werden.
Eine neue Spur. In Catania gibt es in einem Museum eine Daueraustellung über die Ereignisse
 des 2. WK. Vielleicht haben die ja noch Informationen von den Ereignissen des 26./27.Juli 1943? Habe den Direktor der Einrichtung angeschrieben.
Wir haben die Suche nach Udine und erneut ins Bundesarchiv Freiburg ausgeweitet. Die Frontleitstelle (29) Neapel wurde endet 1943 nach Udine verlegt. Vielleich befinden sich in dem Archiv noch Dokumente aus Neapel?

Ein eigener Satz sei mir zu dieser Recherche noch gestattet. Otto Thiede schrieb 148 Feldpostbriefe an seine Familie, die alle erhalten geblieben sind. Briefe, eines 17 jährigen, der durch das Regime eines Wahnsinnigen innerhalb von etwas mehr als drei Jahren von einem Oberschüler zu einer perfekt funktionierenden Kampfmaschine ausgebildet wurde. Briefe, die Zeugnis ablegen, wie und in welcher Weise Menschen manipuliert wurden, deren größter Traum das Fliegen war. Briefe, die aussagen, wie ein Junge zum Mann wird und doch aufzeigen, dass die Jugend drohende Gefahren für Leib und Leben einfach wegwischte, auch noch dann, wenn ehemalige Kameraden und Freunde ihr Leben für das Regime bereits hergeben mußten. Sie wollten nicht wissen nicht, wie nahe sie doch dem Tode standen.

Die Inhalte dieser Briefe haben mir eine Frage beantwortet, die lange in mir brannte: “wie konnte dieses Regime die Masse der Bevölkerung so begeistern, dass der überwiegende Teil diesen langen, mörderischen Weg eines “Durchgeknallten” bis zum bitteren Ende mit ging?” Nach dem Lesen dieser Briefe denke ich darüber nicht mehr nach.

letzter brief
fw-otto-thiede

Das kurze Leben und das Schicksal dieses Jungen hat mich so berührt, dass ich versuchen werde, die letzten Stunden seines Leben aufzuklären.
Auch der zweite Aufenthalt 2013 auf Sizilien hat uns nicht näher an die Lösung der Frage, was  ist in den letzten Stunden seines Lebens passiert, gebracht. Weiterhin gibt es keine Spur von der Besatzung und dem Flugzeug. Nun bleibt uns nichts anderes mehr, als auf Zufälle und ein kleines Wunder zu warten.

Flugzeuge und Informationen über das  Kampfgeschwader 1,
andere Gruppen des KG1 waren in Russland stationiert.

kg1 über Frankreich

Eine JU 88 des KG1  1941/42 über Frankreich

kg1

Bruchlandung eines Fliegers des KG1

kg1_hindenb

Truppenkennzeichen
 des KG1

Bundesarchiv_Bild_101I-388-0952-15,_Hindenburg Ju_88

Junkers 88 des Hindenburg Kampfgeschwaders 1941 in Frankreich beim Start. Quelle: Bundesarchiv

KG1 - Verband

Kampfverband des Hindenburg Kampfgeschwaders

Hindenburg
Hindenburg_führer

 

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