dieterrel

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05. 05. 2005
Letzte Aktualisierung
am 03. 03. 2017

rauchmelder133
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Martina aus Bramsche bei Osnabrück
 

Seit dem 19.6.2010 kenne ich Martina aus dem Forum von U.H.. Damals suchte sie nach ihrem Großvater, der seit 1944 von der Familie in Russland oder Polen vermisst wurde. Ich fand damals bei der Aufnahme der Suche folgende Sachkenntnisse, Auskünfte und Fragestellungen vor:

Johann D. wurde am 01.12.1908 in Bochum Dahlhausen geboren.
Laut WASt ging es am 05.07.1942 zur 4. Kompanie des Pionier-Ersatz-Batallion - Standort "Wolfgang"
 - Ab dem 22.09.42 gehörte er zur 1. Kompanie Reserve Batallion 9,
   es unterstand der 189 Reserve Division und wurde nach Clermont-Ferrand verlegt.
 - Im Oktober 42 unterstand er der 9. Infanterie Division und kam in den Kaukasus.
 -Laut Meldung vom 03.03.43 ging es von dort aus wieder nach Clermont-Ferrand.
 - Am 12.04.43 war er in der 3. Stammkompanie Pionier Ersatz-Batallion 9 mit Standort Aschaffenburg.
 - Am 12.06.43 mußte er zur 1. Panzer-Pionier Batallion 92,
   mit der Feldpostnummer 22318.
   Einsatzraum April- Juni 43 in Orel/Russland
 - Er wurde am 12.06.43 in Werch/Tagina /UdSSR verwundet.
  (Kopfstreifschuss,Kniegelenkstreifschuss, Weichteildurchschuss Oberschenkel)
   Die Erstversorgung fand im Hauptverbandplatz Bogorodizkoje statt, dann Verlegung am.
 - 27.06.43 ins Feldlazarett I / 582 ohne Ortsangabe. 
 - Am 02.07.43 rückwärtig verlegt.
 - Am 04.07.43 verlegt nach Reservelazarett Siedlce.
 - Am 11.07.43 mit Lazarettzug.
 - Am 13.07.43 Reservelazarett Kreuzburg.
 - Am 24.09.1943 dienstfähig zum Panzer-Pionier-Ersatz-Batallion 29, Hannoversch-Münden.
 - Ab 01.10.43 bis 12.11.43 Genesendenkompanie.
 - Ab 13.11.43 bis 15.01.44 Stammkompanie Panzer Pionier Ersatz Batallion 29 in Hannoversch-Münden.
 - 17.01.44 bis 30.01.44 Marschkompanie B Panzer Ersatz und Ausbildungs Batallion 29.
 - 18.02.1944 bis 11.07.1944 zur 1. Kompanie Panzer Batallion 92,
   Unterstellung 20.Panzer Division.
   Einsatzraum: Februar 1944 Witebsk, Newel und
 - Im März/April 1944 in Bobruisk.
   Mai/Juni dann in Cholm und im Juli dann wieder in Bobruisk.
   Er gilt seit dem 11.07.1044 im Raum Zadworce als vermisst.

Die vorhandenen Dokumente nennen den Ort namens Zadworc(z)e in zwei Länder, eines in Polen und eines in Rußland.
Auf Grund der fehlenden Dokumentation über die 20. Pz.Div. in dem Zeitraum um den 10./12.Juli 1944 bitte ich darum, folgende Frage in ein polnischen Forum, beziehungsweise in ein russisches Forum zu stellen.

Was geschah um den 10./ 12. Juli 1944 in Zadworc(z)e in Polen
und
was geschah um den 10./ 12. Juli 1944 in Zadworc(z)e in Russland.

Gesucht werden Hinweise auf die 20. Panzer Division und der 1. Kompanie Panzer Batallion 92, sowie natürlich Hinweise auf den Verbleib des deutschen Soldaten Johann D.
 

Nach einer erfolgreichen Zusammenarbeit mit dem Forum von U.H., einem polnischen Forum und einem russisschen Forum konnte ich Martina einige Wochen später die Ergebnisse der gemeinsamen Recherche schriftlich mitteilen:

Hallo Martina,
ich habe mir erlaubt, mich mit dieser Suche zu befassen. Nach genauen Überarbeiten des gesamtes Thread´s, genauem Lesen der KTB  (Kriegstagebücher) der 9.Armee (siehe Beitrag oben von U.) und, unter Mithilfe von Freunden, bin ich zu einem Ergebnis gekommen.
Der Vermisstenort ist Zadworce.  Der wahrscheinliche Todesort, ist der Weg von Zadworce nach Kabaki.
Begründung:
Am 9.Juli 1944 macht sich eine Pioniergruppe unter Generalmajor von Schmidt auf den Weg, um einen Brückenbauplatz zu erkunden. Ziel ist Kabaki. Was die Gruppe bis dato nicht weiß, ist der Umstand, dass die Russen in Kabaki eingezogen sind und dort ebenfalls den Bau einer Brücke begonnen haben. So ist die Gruppe den Russen in die Hände gelaufen und wurde entweder gefangen genommen oder im Kampf getötet. Man hat die deutsche Gruppe am 10.7.44 bei der Truppe zurückerwartet und am 11.7. beim Appel stellte man das Fehlen des Gesuchten und seinen Kameraden fest.
Es passt nicht nur mit den Orten, sondern auch mit der Waffengattung, denn um eine Brücke zu bauen, braucht man Fachpersonal und das sind die Pioniere und so viele Pioniere werden der Einheit nicht mehr angehört haben können, denn viele sind in Bobruisk geblieben und am Bresina verreckt.
 
Ich habe meine Erkenntnisse in der Suche noch einmal mit einem Freund auf Herz und Nieren abgeklopft.
 
Hier das Ergebnis und die Meinung meines Freundes:
 
".... habe mich mal um die Orte Kabaki sowie Zadvor'ye gekümmert. Liegen beide etwa 2-3 km auseinander an dem Fluß Szczara, etwas nördlich von Slonim.

In dem Buch "Ostfront 1944" von Hinze ist dazu auch eine Lagekarte vom 10.07.1944 abgedruckt. Der dortige Frontverlauf  deckt sich zu 100% mit dem potentiellen Vermisstensort.

Weiter steht dort geschrieben: "...33. Rückzug der 28. Jäger-Division zur Szczara-Linie. Weitaus schlechter erging es während dieser Tage der 28. Jäger-Division, die sich mehrfach nach rückwärts durchschlagen mußte, zunächst von nördlich Baranowicze in eine Brückenkopfstellung ostwärts Slonim in Linie Derewna (15 km ostwärts Slonim) -

Jakinowicze (10 km ostwärts Slonim). Am Mittag des 9.7. ging sie von Sakowicze (3 km südwestlich Derewna) auf Slonim zurück, was ein Abdrehen der Division auf eigenen Entschluß nach Südwesten hin darstellte. Dieses hatte zeitlich gesehen verhängnisvolle Folgen, die darauf beruhten, daß der eigene Brückenbau der Division über die Szczara bei Kabaki (13 km nördlich Slonim) nicht mehr gelang. Die Sowjets besaßen dort bereits einen Brückenkopf und befaßten sich mit dem Brückenschlag. Die Gegenangriffe einer Regimentsgruppe der 28. Jägerdivision von Süden her blieben erfolglos.
Die Sturmgeschütz-Brigade 209 mit einer Kompanie Infanterie auf Schützenpanzerwagen sollte den Angriff erneut wiederholen. Schließlich gingen erste Teile der 28. Jägerdivision 3 km nördlich Slonim über die Szczara, ohne daß die vom AOK 2 von Süden her in Marsch gesetzten Teile der 4. PzD diesen noch behilflich sein konnten..."

Wie Du siehst, deckt sich das mit Deinen Angaben perfekt. Ich denke somit, daß der Vermisste bei den oben geschilderten Angriffen auf den Sowj. Brückenkopf den Tod fand.

In der VBL (VermisstenBildListe) zur Einheit findet sich übrigens noch ein zweiter Kamerad für den Ort "Zadvorce" (also Zadvor'ye). Den hab' ich gleich Volksbundmäßig abgeklopft, ist aber ebenfalls dort weiterhin als vermisst eingetragen.

Fazit: Sollte er tatsächlich in KGF (Kriegsgefangenschaft) geraten sein, taucht seine Akte mit etwas Glück vielleicht doch noch auf. (Obwohl die Anfragen dahingehend ja recht "frisch" waren und somit die Chance wohl verschwindend gering ist).

Oder - und das sehe ich als die wesentlich wahrscheinlichere Variante an - sein Feldgrab befindet sich noch irgendwo in dem Bereich der o.g. beiden Orte.

Meine Antwort an meinen Kontakt zu dem obigem Text:

".... vielen Dank für deine Hilfe. Zum Punkt "Gefangenschaft" denke ich genau wie du, wobei ich noch der Meinung bin, dass die Russen, die an dem Brückenkopf die Stellung hielten, gar keine Gefangenen versorgen, bzw. nach hinten transportieren konnten. Anders sieht dieses für den Generalmajor aus, der über entsprechende militärische Informationen verfügte. Dieser wurde mit Sicherheit nach zur Armeeführung des russischen OB verbracht und dort verhört.  
 Bleibt also zu 99% nur noch das Feldgrab in dem Bereich zwischen Zadworce und Kabaki."
 Martina, ich denke, das wir hier ein gutes Ergebnis erzielt haben, dass jeder weiteren Prüfung stand hält.  Das Grab werden wir mit Sicherheit nicht finden und eine Gefangenschaft kann auf Grund der frischen Anfragen bei den entsprechenden Stellen so gut wie ausgeschlossen werden.

Es grüßt
Dieter

Schon im letzten Jahr beteiligte Martina sich ganz spontan an unserem Gedenken für die Opfer des Krieges.
Heute, am 3.5.2015, begab sie sich gezielt zu dem kleinen norddeutschen  Flüsschen “ Hase ” und übergab dem fließenden Wasser Blumen. Ihr Wirken hat sie in Fotografien festgehalten.

 

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Martina lässt ihre Blümchenschale zu wasser. Nach eigenen Worten wäre sie fast ihren Blümchen hinterher gefallen.
Na, es ging ja noch mal gut.

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Die Landschaft entlang des Flüsschen “Hase” alleine ist schon so idyllisch, dass sie regelrecht beruhigend wirkt und zum Denken, sowie zum  Gedenken einlädt.

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So werden die Blümchen eine große Strecke auf dem Weg zum Neptun, der die Botschaft weiter leitet,  zurücklegen können.

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Martinas gedenken am 3. Mai 2016 im Raum Bramsche an der Hase.

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Sieht ruhig und besinnlich aus. Aber der Schein trügt. Der Fluß, namens Hase in der Nähe von Bramsche, hat eine sehr starke Strömung. Perfekt für den schnellen Weg zum Meer.

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Martina über gibt dem Fluß die Blumen, damit er diese dem Meer überbringen kann.

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Die starke Strömung des kleinen Flußes leistet ganze Arbeit und transportiert die Blumen in Richtung Nordsee. Sie werden sicher ihren Bestimmungsort  erreichen. Wie Marina mir schriebt, war sie heute ganz nah bei ihrem Großvater und bedauerte in einem stillen Zwiegespräch zwischen ihm und ihr, dass sie ihn nie kennenlernen durfte.

Martinas Gedenken am 3. Mai 2017  an der Hase bei Bramsche.

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Die Gedanken an die Lieben begleiten den Weg der Blumen durch die Höhe.

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Die Blumen nehmen ihren Weg in das tobende Flüßchen

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Der Weg zum Meer beginnt und nimmt die stillen Gedanken mit.

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Martina schreibt im FB:

...seit nunmehr drei Jahren beteilige ich mich aktiv an der Aktion von Dieter Schwenker, der sie seinerzeit zum Gedenken seines Großcousin ins Leben gerufen hat .... immer am 03. Mai geben wir einen Blumengruss in ein fliessendes Gewässer ....in Gedenken an unsere lieben Verstorbenen ....  ....für meinen Grossvater ....für meinen Mann ...für meinen Micha ....und für so viele andere, die ich im Herzen trage ....  ..... danke an Knut Rasmussen für die Fotos

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