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05. 05. 2005
Letzte Aktualisierung
am 11. 05. 2019

rauchmelder133

Vorbeugen ist besser als Löschen

Baulicher Brandschutz

Brandschau

Versammlungsstätten

 Gefährliche Frachtgüter

Jürgen Engelmann, Bremen

 

 

Bremer Reihenhaus 1943 im Kriege häufig kam der Löscheinsatz zu spät.
Ohne baulichen Brandschutz - hier richtig gemauerte Brandwände -
wäre vermutlich die Ganze Häuserzeile abgebrannt.

Wenn die Flammen erst lodern, ist es zu spät — das weiß man nicht erst seit gestern. Schon in alten Zeiten gab es deshalb Bestimmungen über den vorbeugenden Brandschutz. Sie erschöpften sich allerdings meist darin, stets einen Eimer mit Löschwasser bereitzuhalten. 1906 aber schrieb die „Bremer Bauordnung" Brandwände, „feuersichere" Treppenhäuser und Geschoß - Zwischendecken vor. Gesetze, Verordnungen sowie genormte Baustoffe und Prüfverfahren — zum Beispiel nach DIN 4102 — führten zu einem hoch entwickelten baulichen Brandschutz mit relativ kleinen, in sich abgeschlossenen Brandabschnitten. Selbst der Krieg und seine Bombennächte zeigten, wie gut sich die bauliche Vorsorge bewährte. Nur massive Bombenteppiche führten zur totalen Zerstörung größerer bewohnter Flächen.

Seine Schrecken hat das Feuer jedoch noch immer nicht verloren: Es ist unmöglich — und wäre auch kaum als schön zu bezeichnen —, alle Gegenstände unseres täglichen Lebens und unserer Umgebung aus unbrennbarem Material herzustellen. Klar erkennbar aber ist aus Statistiken dies: Weit mehr Menschen verlieren ihr Leben durch Rauchgasvergiftungen als durch direkte Flammeneinwirkung.

Ein Beispiel:

In einem modernen, „feuersicheren" Hochhaus befinden sich über zwei Geschosse gehende Einzelwohnungen, so genannte Maisonetten, wobei das Untergeschoß als Wohneinheit und das mit einer Innentreppe verbundene Obergeschoß als Schlafeinheit genutzt wird. Ein durch Kurzschluß in einem Kühlschrankmotor verursachter Kleinbrand führte durch Rauchgasvergiftung zum Tode der im Obergeschoß ruhenden Familie, die in diesem Geschoß auch keine sicheren Ausgangsmöglichkeiten hatte.

Verständlich wird dieser bedauerliche Unglücksfall, der sich in ähnlicher Form fast täglich in den Städten der Bundesrepublik ereignet, wenn man sich vor Augen hält, daß nur ein Kilogramm schwelendes Holz eine Wohnung von ca. 100 Quadratmetern innerhalb kürzester Zeit mit tödlichen Brandgasen anfüllt. Selbst eine mit bestem Atemschutz ausgerüstete Feuerwehr kommt hier meistens zu spät. Darüber hinaus ist die Tendenz zur Schaffung kleiner, in sich abgeschlossener Brandabschnitte durch bauliche Maßnahmen heute durch die Erfordernisse des modernen Industrie- und Geschäftsbaues in der Regel nicht mehr zu erfüllen. Die moderne Bauweise verlangt Produktions- und Lagerflächen von 10000 und mehr Quadratmetern, die jede Einteilung durch Brandwände illusorisch machen. Somit steht der vorbeugende Brandschutz heute vor neuen Aufgaben, die nicht durch konventionelle bauliche Maßnahmen erfüllt werden können.

Selbsttätige Anlagen

Vordringlich sind der Schutz vor Rauchgasen, besonders in den Flucht- und Angriffswegen, die frühzeitige, möglichst selbsttätige Meldung auch eines Kleinbrandes sowie der Einsatz automatischer Löschanlagen.
 


Historische Gebäude, Kaufhäuser, große Fabrikationsgebäude, usw. werden durch
automatische Feueranlagen geschützt. Bei Ausbruch, auch eines Kleinbrandes, wird
sowohl im Gebäude, als auch bei den Feuerwachen automatisch Alarm ausgelöst.
Häufig werden durch das Meldesignal auch automatisch arbeitende Feuerschutzein-
richtungen in Betrieb gesetzt. In den Wohnhäusern sind derartige Anlagen in der
Regel nicht eingebaut, so daß es - auch in modernen Neubauten - zu Kleinbrränden
mit manchmal tragischem Ausgang kommt. Verursacht werden diese Unglücksfälle
häufig durch elektrische Anlagen, durch mit offenem spielende Kinder und durch acht-
los abgelegte Zigarettenkippen.

Hier hat nun die Industrie ein reiches Angebot an Entwicklungen zur Verfügung gestellt, das vom handbetätigten Rauchabzug im Treppenraum eines Hochhauses bis zur vollautomatischen Melde-, Lösch- und Rauchabzuganlage in ausgedehnten gewerblichen Bauten reicht. Grundlage aller automatischen oder halbautomatischen Anlagen ist die rechtzeitige Erkennung eines Brandherdes. Bei allen Variationen in den einzelnen Ausführungen stehen heute drei Grundtypen als automatische Melder zur Verfügung, die auf die drei Grundwirkungen eines Brandes, nämlich Entwicklung von Wärme, Entwicklung von Rauchgasen und Flammenbildung, ansprechen. Diese Meldertypen in Verbindung mit Rauchabzugs- und automatischen Löschanlagen gestatten heute die Einrichtung nahezu unbegrenzt großer Brandabschnitte bei ausreichendem Schutz der Menschen und der Sachwerte.

Vermerkt sei allerdings, daß die gesamte Entwicklung noch sehr im Fluß und — bis auf einige Sonderfälle wie z. B. Kaufhäuser — noch nicht baurechtlich oder durch Normung der Anlagen geregelt ist.

Gefährliche Güter

Manch einem mag die Tatsache sehr zu denken geben, daß automatische Anlagen voraussichtlich nur unter friedensmäßigen Bedingungen voll wirksam sind. Das Risiko eines Krieges könnte in einer auf friedliche Entwicklung eingestellten Industriegesellschaft nur unter größten Kosten berücksichtigt werden, und es ist sehr zu hoffen, daß die Auguren, die heute schon die Trabantenstädte als hilflose Elendsquartiere ohne Wasser, Strom und Wärme sehen, unrecht behalten.

 

Rettung eines durch Rauchgas
vergiftetes Kindes im Neubaugebiet
Bremen Neue Vahr


Mir erscheint der Schutz der Bevölkerung und der Einsatzkräfte vor den Gefahren der Herstellung, Lagerung und des Transports gefährlicher Güter vordringlicher. Immer wieder wird die Öffentlichkeit durch furchtbare Katastrophen       — vor einiger Zeit z. B. durch das Explosionsunglück auf dem Bundesbahngelände in Hannover — erschüttert. Tausende von Tonnen hoch brennbarer, explosibler, giftiger und ätzender Stoffe werden täglich mit Bundesbahn, Lastkraftwagen und Schiff selbst durch die entlegensten Winkel der Bundesrepublik Deutschland befördert. Hier der technischen Entwicklung stets eine Nasenlänge voraus zu sein, durch fachkundigen Rat für jeden und Mitarbeit an den Problemen der Regierung und der Nachbarbehörden dem Bürger zu helfen, ohne gleichzeitig der technischen Entwicklung unnötige Beschränkungen aufzuerlegen, ist eine der dringendsten Aufgaben des vorbeugenden Brandschutzes.

            

 

 

 Ich danke allen Besuchern für das Interesse an meiner Webseite.

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